Am Abgrund - Teil 14 - German
By: Der_Adler

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"Gleich ist alles vorbei", hörte Cornelius leise.

Er schloss die Augen. Einen Moment lang ging ihm noch einmal alles durch den Kopf, was er die letzten Tage erlebt hatte. Wie er unfreiwillig kastriert und zum Sklaven gemacht worden waren. Wie man ihn entjungfert, gedemütigt und bestraft hatte. Wie man ihn einfach in seine Rolle hinein gezwängt hatte. Das alles würde bald ein Ende finden. Aber wollte er das eigentlich? Immerhin wurde er nicht ganz so schlimm behandelt. Man gewährte ihm auch einige Freiheiten, gab ihm zu essen und Unterkunft. Tatsächlich ging es ihm ja eigentlich besser als jemals zuvor. Und selbst wenn er hier herauskam. Welche Frau würde ihn nun noch haben wollen? Jetzt, wo er kastriert war.

Die Entscheidung fiel im Bruchteil einer Sekunde. Cornelius holte mit der linken Hand aus und schlug von unten gegen den Arm des vermeintlichen Einbrechers. Dieser gab einen unartikulierten Laut von sich, als im selben Moment die Waffe los ging, sodass eine Kugel aus Silber in die Wand einschlug. Der vermummte Unbekannte fluchte und stieß den Sklaven von sich weg, der ihm soeben seinen Überraschungsmoment genommen hatte. Mit viel mehr Wucht als erwartet traf Cornelius an der Wand auf und rutschte betäubt nach unten. Mit Klirren in den Ohren musste er ohnmächtig zusehen, wie der Unbekannte die Waffe wieder ausrichtete. Doch es war schon zu spät. Eine blitzschnelle Bewegung war zu vernehmen, dann stolperte der Aggressor nach hinten. Der Vampir Jonathan stand inzwischen trotz seiner eigenen Nacktheit in Angriffsstellung vor ihm und holte erneut aus. Der Einbrecher hob schnell wieder seine Waffe, aber damit konnte er jetzt nichts mehr ausrichten. Jonathan trat ihm selbige aus der Hand und ging auf ihn los.

Cornelius war fast schon froh, dass seine Sicht noch mehr verschwamm und es schließlich schwarz um ihn herum wurde.

Nachdem er die Augen geöffnet hatte, dauerte ein paar Sekunden, bis er sich wieder an alles erinnern konnte, was in den wenigen Minuten von vorhin geschehen war. Er stöhnte leise, drehte sich und setzte sich dann schließlich auf. Er saß alleine in der Mitte des Bettes. Zumindest glaubte er das, denn als er seinen Kopf nach rechts drehte, erschrak er fast, als er in Samanthas Gesicht blickte. Diese grinste lieblich.

"Na, aufgewacht, Dornröschen?", fragte sie lächelnd.

"Ich...was...war das ein Traum?", fragte er unsicher und schaute ihr in die Augen.

Sie schüttelte den Kopf. Einen Moment lang schwieg er, schaute sich im Raum um und stellte fest, dass es inzwischen hell war. Die Wintersonne schien in den Raum.

"Was ist passiert?"

"Es war ein Vampirjäger", erklärte Samantha. "Er muss uns hierher gefolgt sein. Ohne dich...nun..."

"Jonathan lebt doch, oder?"

"Natürlich tut er das", lachte Sam. "So schnell geht er nicht tot. Abgesehen davon, dass er schon tot ist, natürlich. Ich glaube, er verdankt dir einiges."

"Wie konnte er uns folgen? Ich meine..."

"Die Bannsiegel", erklärte sie weiter.

"Das ist doch unmöglich", protestierte Cornelius. "Niemand kann sie sehen. Nur Vampire und-"

"Und diejenigen, die selbst ein Bannsiegel tragen", führte sie den Satz fort und nickte bestätigend. "Unser Vampirjäger hier trug ein Bannsiegel. Was bedeutet, dass er selbst unter Kontrolle eines Vampirs steht. Oder stand, besser gesagt."

"Stand?"

"Mal im Ernst. Wenn jemand hier mit einer Waffe rein gestürmt kommt, alle Sklaven befreit und anschließend versucht, Jonathan umzubringen...was glaubst du, was Jonathan mit ihm macht?."

"Oh. Das klingt einleuchtend. ja."

"Ich glaube übrigens, unser Meister möchte mit dir sprechen. Er sitzt unten im Wohnzimmer."

Cornelius nickte und rappelte sich auf. Er fühlte sich noch etwas betäubt, schlug aber das Angebot von Sam aus, sich noch einen Moment hin zulegen.

"Du solltest dir noch etwas anziehen", meinte Sam und deutete auf den Keuschheitsgürtel, den er noch immer trug.

"Äh. Ja."

Samantha drückte ihm ein T-Shirt in die Hand, welches er sich überzog, sodass er nicht ganz nackt war, als er nach unten ins Wohnzimmer kam. Jonathan stand inmitten des Raumes, hatte einen zerknirschten Blick aufgesetzt.

"Meister?", fragte er leise.

"Alle weg", knurrte Jonathan. "Er hat sie alle befreit, verdammt. Alle Sklaven sind weg."

"Ihr...wolltet mich sprechen, Meister."

"Ich schätze, wir müssen dieses Haus auch verlassen. Wenn die Mädchen sich erinnern können, wo dieses Haus ist....ist das schlecht", fuhr der Vampir fort, als wäre Cornelius gar nicht da.

"Was ist mit den Bannsiegeln? Ihr könnt doch die Mädchen sicherlich-"

"Wertlos. Der Vampirjäger war ziemlich geschickt. Er hat sie vorher aufgehoben...die Bannsiegel, welche die Sklavinnen hatten, waren nicht so mächtig wie dir, welche ihr beide tragt, Cornelius. Aber egal."

Er atmete tief durch und wandte sich dem Sklaven zu.

"Ich danke dir. Ich wusste schon immer, dass es keinen Sinn macht, nachts zu schlafen und tagsüber wach zu bleiben. Das werde ich in Zukunft auch ändern. Jedenfalls verdanke ich dir meine Existenz. Ohne deine Hilfe wäre ich jetzt...nun....nicht tot, aber...Staub, vermutlich. Asche. Was hat dich dazu bewegt?"

"Ich...ich weiß es nicht, Meister. Ich musste es einfach machen."

"Hattest du Angst um dein eigenes Leben?"

Cornelius schüttelte stumm den Kopf.

"Hm. Gut", meinte Jonathan und nickte langsam.

Dann seufzte er leise, gab seinem Sklaven ein Zeichen ihm zu folgen, ehe er in die Küche ging. Dort setzte Jonathan sich langsam hin. Cornelius tat es ihm nach.

"Ich schätze, ich verdanke dir wirklich einiges. Deshalb möchte ich dir gerne ein Angebot machen."

"Das habe ich schon einmal gehört", kicherte Cornelius, wurde aber sofort wieder ernst, als der Vampir ihn anschaute.

"Im Ernst", meinte Jonathan. "Ich biete dir deine Freiheit an. Du bekommst das Geld, das ich dir anfänglich versprochen habe und lasse dich laufen. Wenn du möchtest, sorge ich sogar dafür, dass du dich an alles geschehene noch nicht einmal erinnern kannst."

Der Sklave schwieg, woraufhin Jonathan ein kleines Bündel aus der Tasche zog und vor ihm auf den Tisch legte.

"Das hier sind viertausend. Eintausend mehr als versprochen. Das reicht sogar aus, die Stadt zu verlassen und ganz woanders dein Leben fortzuführen. Es reicht bestimmt aus, um eine Ausbildung zu beginnen. Nun?"

"Was...wäre, wenn ich ablehnen würde? Wenn ich...bei Euch bleiben würde? Ich würde diese Chance nicht noch einmal bekommen, oder?"

"Nein. Das ist eine einmalige Wahl. Deine Entscheidung."

Dann wäre er also frei. Und könnte wirklich sein eigenes Leben führen. Mit viertausend Euro zum Starten. Sicher, das war kein Vermögen, aber mit Sicherheit genug, um neu zu beginnen. Vorsichtig nahm er das Bündel in die Hand, schaute es sich genau an. Er begann vorsichtig zu grinsen. Dann hätte er ja wirklich innerhalb weniger Tage eine Menge Geld gemacht. Dafür war er auch kastriert worden...

Er umschloss das Bargeldbündel noch fester mit der Hand und erhob sich. Dann warf er dem Vampir das Geld auf den Tisch.

"Ich verzichte...Meister."

Jonathan begann breit zu grinsen. Seine Freude war kaum zu übersehen.

"Wunderbar", meinte er. "Einfach wunderbar. Trotzdem sollten wir uns beeilen. Für den Fall, dass nun nach diesem Haus gesucht wird. Wir brauchen ein neues Zuhause."

"Und...wie stellen wir das an, Meister? Und wie bekommen wir alles hier im Haus von hier weg?"

"Das...überlas nur mir. Da kenne ich genau die richtige Anlaufstelle für."

"Welche denn, Meister?"

"Hast du schon einmal eine Stadt voll mit Vampiren gesehen?..."


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