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Ich scheuerte die Huf-Fäustlinge am Steinboden auf, damit ich meine Finger benutzen konnte. Die Pferdemaske nahm ich mir leicht ab, denn sie war nur durch eine kleine Schnalle fest gemacht. Mit Hufen an den Armen wäre es unmöglich gewesen, sie abzunehmen, aber mit freien Fingern ging es nach einigem Gefummel. Und es ist aus dem selben Grund leicht für einen Menschen, aus einer Pferdebox zu entkommen. Die Fernster der Pferdeställe waren vergittert, also konnte ich nicht so entkommen. Es ist aber nicht leicht, mit Hufen zu schleichen. Ich ging leise klappernd zu den Futtersäcken hin, leerte zwei aus und machte Dämpfer für die Hufschuhe. Das gelang leidlich, und so konnte ich, das Zaumzeug für Menschen, einen Futtersack und einen Wasserschlauch mitnehmend, auf das Dach schleichen. Es gab keine Wachen, denn niemand rechnete mit einer Flucht, was angesichts der Insellage natürlich war. Aber ich durfte natürlich keinen Lärm machen.
Die Riemen des Zaumzeuges befestigte ich an Vorsprüngen auf einigermaßen flachen Dach, hängte mir Sack und Zaumzeug um und ließ mich an den Riemen hinunter. Es fehlte mindestens ein Schritt. Ich ließ mich trotzdem fallen, nicht ohne ein Stoßgebet an Merkur gerichtet zu haben. Mein rechter Knöchel brannte, nachdem ich aufgekommen war. Ich unterdrückte mühsam einen lauten Schrei, aber ich fürchtete, mich bemerkbar gemacht zu haben. Egal: Dann musste ich eben humpeln, bis das geheilt war. Es gab spitze Steine auf dem Weg zum Hafen, die ich dazu benutzte, mir die Schuhe herunter zu schneiden und auch die Reste der Huf-Fäustlinge zu entfernen. Ich war nackt, aber konnte mich wieder voll wie ein Mensch bewegen. So schlich ich zum Hafen. Es tat weh, zu dem kleinen Hafen zu laufen. In seiner Nähe entdeckte ich in der Halbmondnacht unter den Sternen, dass er bewacht wurde. Ich fand eine Eisenstange, die ich auch gleich mitnahm und schlich weiter. Es gelang mir, mich hinter den unaufmerksamen Wächter zu bringen. Ich erkannte ihn als einen der Haussklaven, den Koch oder Küchengehilfen, der Chressos die Kochgeräte gebracht hatte. Die Stange hielt ich wie ein Schwert und setzte sie an den Rücken des Wächters. »Wenn du die Glocke läutest, bringe ich dich um!«, zischte ich leise und gefährlich. Das war nicht einmal ganz gelogen, denn ich würde zumindest versuchen, ihn unschädlich zu machen, um ein Boot besteigen zu können. »Nicht, Herr, nein! Ich werde nicht läuten!«, flüsterte der Wächter und bestätigte damit, dass er Latein konnte. Mit Herr angesprochen zu werden, passierte mir zum ersten Mal. Ich dachte im ersten Augenblick gar nicht, dass er mich gemeint haben könnte, und schaute mich ängstlich um. »Zieh dich aus!«, befahl ich dann. Das tat der Wächter. Ich benutze seinen Chiton, um den Klöppel einzupacken. »Sehr gut«, flüsterte ich. »Du hast jetzt zwei Möglichkeiten: Dich von mir niederschlagen zu lassen oder mit mir zu flüchten. Wähle! Jetzt!« Der Wächter dachte nach. Dann sagte er. »Wie soll ich flüchten, Herr?« »Ich kann deine Kette losbrechen«, sagte ich, denn er war tatsächlich angekettet. »Ich würde gekreuzigt werden, wenn ich flüchte«, warf er ein. »Und wenn du Melippes neuestes Opfer davonkommen gelassen hättest, was würde sie dann mit dir tun?« Das überzeugte ihn. »Dann brich mich los, He , Melippus!« Er war wirklich nicht dumm. »Ich heiße Davus. Davus Cilionis. Wie heißt du?«, fragte ich, als ich mit dem Eisen ein Glied aufbrach. »Ich werde Artos genannt, äh « »Davus.« »Ja « Kurz darauf ruderten ein bloß mit einem Lendenschurz bekleideter Artos und ein vollkommen nackter Davus nach Norden. Dort gab es sicher Land, also ruderten wir dort hin. Wir hatten Gelegenheit zu sprechen. Ich erzählte ihm meine Geschichte, und er mir seine. Er hieß eigentlich nicht Artos, sondern war ein Sarmate mit einem Namen, den ich mir wirklich nicht merken konnte. Er war von parthischen Sklavenjägern gefangen worden, die ihn einfach weiter verkauften, als ihnen das Geld ausgegangen war, und irgendwann war er auf Delos gelandet, wo ihn Melippe gekauft hatte. Er zog sein Lendentuch aus, als ob er es beweisen wollte. Sarmatus, wie ich ihn einfach nannte, war beschnitten. Alle männlichen Sklaven Melippes waren beschnitten. Achilles war nicht beschnitten gewesen, das wusste ich ganz genau. Zwei Tage später waren uns Wasser und Pferdefutter ausgegangen. Wir ruderten weiter, bis wir nicht mehr konnten, und fürchteten uns vor Piraten, die uns fingen, um das ganze dumme Spiel von Fang und Verkauf von vorne beginnen zu lassen. Am nächsten Tag waren wir so durstig und hungrig, dass wir uns von dem Schiff aufnehmen ließen, gleichgültig, um welches es sich handeln könnte. Es stellte sich heraus, dass es nach Korinth unterwegs war und einen Juristen und städtischen Beamten an Bord hatte, der nach Hause wollte. Er sprach mit uns, und seine Befragungstechnik erwies sich als sehr wirksam, denn es brauchte nur einen Tag, um die Wahrheit aus uns heraus zu locken, ohne uns irgendwie zu foltern oder die Folter auch nur anzudrohen. Sarmatus und ich hatten trotzdem Angst. Immerhin aber erklärte er uns, dass Phillipus der Sklavenhändler gelogen hatte: Fang durch Piraten ist kein Wildfang, sondern ganz einfach Raub, also war ich immer noch das Eigentum meines geliebten Herrn, und dessen Sohn wiederum immer noch frei. Theoretisch jedenfalls. Sarmatus hatte da schon mehr Probleme, aber angesichts der Aussichten versprach der Jurist, ein gewisser Nikolaos Themistoklides, wegzuschauen, wenn Sarmatus unbedingt in seine barbarische Heimat zurück wollte. Wir kamen in Korinth an. Dort war ein Amphitheater neu gebaut worden, was mir als Römer sagte, dass dort Gladiaturen stattfinden würden. Sarmatus war auf geheimnsivolle Weise verschwunden, und ich wünschte ihm viel Glück und schwor, Merkur ein Opfer zu bringen, wenn ich es mir leisten konnte, damit Sarmatus heil in seine Heimat käme. Nikolaos besorgte mir Kleidung, und ich wünschte mir, die Kleidung zu tragen, die mir mein Herr befohlen hatte. Ich bekam sie. In Korinth sprach man von nichts anderem als dem neuen Amphithater und seinem besten Gladiator, einem gewissen Lykos, der aus dem Nichts aufgetaucht war. Das hieß Wolf auf griechisch. Nikolaos wollte ihn sich unbedingt ansehen, und so besuchte er das Theater. Ich bediente Nikolaos als Kammerdiener und war also dabei. Als ich Lykos ansichtig wurde, drehte ich durch. »Herr! Herr! Herr Nikolaos! Das ist Quintus Cilio Probus, der Sohn meines Herrn. Nikolaos, bitte, löse ihn aus! Mein Herr wird es dir vergelten!«, rief ich. »Bist du dir sicher, Davus?« »Ja, Herr, ganz sicher! Ich will ans Kreuz, wenn er es nicht ist!« »Ich nehme dich beim Wort, Davus.«, schloss er streng, wobei er mich an meinen Herrn erinnerte. Das konnte ins Auge gehen. Nach der Vorstellung, in der Lykos als Sieger hervor gegangen war, besuchten Nikolaos und ich die Zellen. Nun war kein Zweifel mehr: Ich erkannte ihn, und er erkannte mich. Nikolaos löste nicht nur Quintus auch, sondern gab ihm eine großzügige Unterstützung, die er allerdings auch von seinem Vater zurück verlangte. Quintus willigte ein, das vermutete Einverständnis seines Vaters vorausgesetzt. Quintus war nicht undankbar. Er bot mir die Freiheit an, die ich nicht wollte, solange sein Vater noch unter den Lebenden weilte. Als er fragte, was ich denn dann wolle, sagte ich, den Kopf immer bescheiden geneigt: »Herr Quintus! Wenn ich das nötige Geld hätte, würde ich Merkur eine Hekatombe von Hähnen opfern, damit Sarmatus heil nach Hause kann. Mir selbst würde ich eine Nacht mit der besten Hetäre Korinths gönnen.« »Du gäbest deine Freiheit für einen Mann her, denn du nicht wirklich kennst, und für eine einzige Nacht der Lust?« »Ja, Herr. Meine eigentliche Lust ist es, deinem Vater zu dienen, und das bekomme ich ohnehin.« Ich konnte es mir nicht verkneifen, daher setzte ich hinzu: » Oder?« Mein junger Herr erfüllte mir meinen ersten Wunsch schnell. Es war zwar nicht ganz leicht. einhundert Hähne zusammen zu sammeln, aber es gelang ihm, und so wurden sie Hermes, wie Merkur bei den Griechen hieß, dargebracht. Eine wirklich gute Hetäre auszuwählen, war in Korinth paradoxerweise nicht einfach, denn es gab ihrer so viele, denn die Stadt unterstand dem Schutz der Venus, oder auf griechisch Aphrodite. Am Schluss landeten wir im Tempel der Göttin selbst. Eine Priesterin bot sich an, mir meinen Wunsch zu erfüllen, wenn ich es öffentlich als Dienst an der Göttin täte. Ich willigte ein. Ich musste schlafen, um frisch zu sein für die Nacht des Göttinnendienstes. Die Priesterin, die Sophronia hieß, hatte dem Tempel ein wenig umbauen lassen, was nur einen Tag dauerte. Vor der Statue der Göttin war eine Spielwiese aufgebaut, die von Beistelltischen mit verschiedenen kulinarischen Köstlichkeiten und dem einen oder andern Lustinstrument darauf umgeben waren. Ich wurde auf das Bett geführt, von allen Fesseln befreit. Nur auf den Halsring, der immer noch den Namen meines Herrn und meinen trug, wollte ich nicht verzichten. Er wurde mir trotzdem abgenommen, aber man versprach mir, ihn wieder anzuschmieden, wenn ich das wolle. Im Dienst an der Göttin trug ich wirklich nur, was mir die Götter geschenkt hatten: Meine eigene Schönheit. Das galt auch für Sophronia. Ihre körperliche Sinnlichkeit und seelische Unschuld hatte in mir eine Erregung ausgelöst, die ich nie zuvor kannte. Im Raum hatten sich viele Personen versammelt, die dem Gottesdienst beiwohnen würden. Sophronia und ich begannen ganz normal: Wir streichelten und küssten einander, und dann gingen wir dazu über, einander mit den Geschlechtsorganen zu berühren. Erst am Schluss fanden Penis und Vagina zu einander, und wir fanden zu genau der selben Zeit zu einem Orgasmus, der in der Halle des Tempels gewaltig und göttlich widerhallte. Wir setzten fort mit allem, was man zwischen Mann und Frau tun konnte. Sie hatte sich auch einen Dildo umgeschnallt, womit sie mir mehrere Orgasmen verschaffte. Sie benutze aber auch einen genoppten, wie ich ihn bei Melippe kennen lernen musste, auch wenn die Noppen flacher waren und nicht nach hinten neigten. Die Stellung, die wir dafür aussuchten, war, dass sie die Rolle des Mannes übernehmen würde indem sie mich anal penetrieren würde mit diesem genoppten Dildo. Der Orgasmus, den ich daraufhin hatte, war im wahrsten Sinne göttlich. Mir kam vor, als ob die Statue der Göttin die Stelle der Priesterin eingenommen habe, aber die Statue war kein kalter Stein, sondern ein warmer, weicher, sinnlicher Körper, der Lust erwartete und Lust gab. Ich gab und bekam zurück, wie ich nie gegeben und bekommen hatte. Die Göttin, wenn sie es war, und ich befriedigten einander die ganze Nacht und den ganzen Tag, ohne Unterlass und ohne Müdigkeit. Als der nächste Abend herein brach, wusste ich nichts mehr. Ich wachte am nächsten Morgen auf. Ich war ganz alleine im Tempel. Nicht einmal Sophronia war da, und die Beistelltische fehlten auch. Die Statue der Göttin hatte eine etwas andere Pose, als ich sie in Erinnerung hatte. Der Blick ihres Kopfes richtete sich direkt auf mich, und sie lächelte. Einem Impuls folgend, führte ich eine Autofellatio durch. Als ich zum Bildnis der Göttin aufsah, kam es mir vor, als ob es breiter lächeln würde. Mir kam zwar der Gedanke, das Lächeln durch eine weitere Autofellatio zu verbreitern, aber der Gedanke alleine kam mir lästerlich vor. Ich bat die Göttin um Verzeihung für diesen Frevel. Ich stand auf und ging Sophronia suchen. Sie war in ihrer Kammer und hatte nur Erinnerungen bis Mitternacht, also zu der Stelle, wo sie sich den genoppten Dildo aufgeschnallt hatte. Sollte ich mich wirklich mit der Göttin selbst vereinigt haben? In einer Werkstatt bekam ich wieder meinen Halsring. Man zeigte mir auch ein Objekt, in dem eine Statue gegossen werden sollte. Mein junger Herr bestimmte, dass wir so lange in Korinth bleiben würden, bis die Statue fertig sei. So geschah es. Als die Statue fertig war, war ich überrascht und betroffen, denn sie war unerhört: Sie zeigte die Göttin, wie ihr Abbild im Tempel stand, und mich in sexueller Ekstase ineinander verschlungen. Ich wusste nicht, was ich tun und sagen sollte, also ließ ich es. Inzwischen hatte sich ein römisches Militärschiff bereit gefunden, uns in die Ewige Stadt zu bringen. Das ging, weil Quintus als Militärtribun gedient hatte und darauf Anspruch erheben konnte. Diesmal würden wir sicher nicht von Piraten überfallen werden. Die Reise verlief ruhig. Ich bediente Quintus als sein Kammerdiener, und die Mannschaften und Offiziere waren von den Preisen, die mein junger Herr für meine Dienste verlangte, verschreckt. Alles war normal. Wir kamen in Ostia an und reisten nach Rom weiter. Im Hause meines Herrn angekommen, begrüßte er seine Söhne. Quintus umarmte er feierlich. Zu mir sagte er: »Davus, mein Junge! Du hast dich als viel treuer erwiesen, als man es verlangen konnte. Du hast nicht nur dich, sondern auch meinen Sohn und Erben befreit, und du bist zu mir zurück gekommen! Dafür würde man einen gewöhnlichen Sklaven mit der Freiheit belohnen. Du aber, mein lieber Davus, bist außergewöhnlich! Also belohne ich dich damit, mein Sklave bleiben zu dürfen!« Ich fiel auf die Knie und weinte vor Glück.
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