Für 10 Goldstücke. Das Nachspiel. German Language
By: Asket

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20 Jahre nach den Geschehnissen im Dorf war eigentlich alles beim alten geblieben.

Die Häuser waren etwas heruntergekommen. Ein paar der Alten waren gestorben und Kinder waren geboren worden. Sommer und Winter lösten sich ab und das Dorfleben verlief recht ereignislos. Hier und da gab es ein paar Hochzeiten oder andere Feste. Allerdings war in den letzten Jahren die Ernte sehr schlecht ausgefallen, und so mancher Bauer konnte den Pachtzins nicht bezahlen und war kurz davor sein Land zu verlieren.

In diesem Herbst veränderte aber ein Ereignis das Leben eines der Bauern grundlegend.

Über Nacht war vor dem Dorf mal wieder ein Lager aufgeschlagen worden. Bei den Dorfkindern war das Interesse natürlich besonders groß. Aber dieses Lager war etwas anders als die Lager die sonst das Dorf besuchten. Keine schäbigen Wagen und keine struppigen Ponys. Die Wagen waren sehr Farbenprächtig und die Pferde waren anscheinend sehr edle Tiere. Am ersten Tag ließ sich auch niemand aus dem Lager im Dorf sehen. Alles war ungewöhnlich ruhig.

Erst in der Dämmerung verließ eine Gestalt das Lager. Die Gestalt schlenderte zu dem kleinen See am Rande des Dorfes und verweilte dort einige Zeit. Dann wandte sie sich in Richtung des Dorfes. Sehr langsam ging die Gestalt durch das Dorf. Die Dorfbewohner beobachteten die Gestalt sehr argwöhnisch, denn diese Gestalt war auffallend groß und außerdem sehr gut gekleidet. Sie trug extrem enge Hosen und eine weite rote Bluse. Darüber einen leichten Umhang. Auf dem Kopf eine art Turban, geschmückt mit einer großen goldenen Brosche.

Überhaupt war die Gestalt üppig mit Schmuck ausgestattet. Goldene Ketten und Ringe mit Schmucksteinen an fast jedem Finger. Noch merkwürdiger aber war ein fast durchsichtiger Schleier, den die Gestalt vor dem Gesicht trug. Die Gestalt blieb hier und da stehen und besah sich die Häuser und Vorgärten. Vor einem Haus blieb die Gestalt etwas länger stehen. Eine Frau saß vor dem Haus und rupfte ein Huhn. Die Gestalt sah sich die Frau genau an und schließlich fragte sie sehr leise:” Frau. Wer wohnt in diesem Haus?”

Die Frau sah ängstlich aus und nach einer Weile antwortete sie:” Dieses Haus gehört meinem Mann, dem Bauern Martin.” Der Schleier vor dem Gesicht der Gestalt bewegte sich heftig und schließlich erklang wieder die Stimme. “Könnte ich mit Deinem Mann reden?”

Die Frau war verwundert, aber sie sagte:” Wenn Ihr wünscht. Tretet bitte ein.”

Die Gestalt folgte der Frau. Im Türrahmen musste sie den Kopf einziehen um nicht dagegen zu stoßen. Im Innenraum sah sich die Gestalt um. “Interessant.” sagte sie. Am Tisch saß der Bauer Martin. Vor sich einen Becher und eine große Flasche. Anscheinend war er leicht angetrunken. Die Frau sagte:” Das ist mein Mann.” Martin sah die Gestalt ängstlich an.

“Was wollt ihr von mir mein Herr?” fragte Martin. “Ich habe nur ein paar Fragen. Darf ich mich setzen?” sagte die Gestalt. Martin nickte und die Gestalt setzte sich auf einen klapprigen Stuhl.

“Ich kannte euren Vater. Was ist aus ihm geworden?” fragte die Gestalt. “Vor Jahren gestorben. Meine Mutter auch.” sagte Martin. “Aha.” sagte die Gestalt. ”Hatte euer Vater nicht 2 Söhne?”

Erschreckt sah Martin auf, trank einen großen Schluck und antwortete dann schnell :”Ja, aber mein Bruder ist vor langer Zeit von Zigeunern geraubt worden. Wie 2 andere Jungen aus dem Dorf auch.” Wieder bewegte sich der Schleier vor dem Gesicht der Gestalt heftig.

Leise, so das niemand es hören konnte sagte die Gestalt :” So habt ihr das also gedreht.” Und lauter zu Martin. “Es scheint, es geht Euch nicht sehr gut. Habt Ihr Probleme?”

“Die Ernte war schlecht dieses Jahr. letztes Jahr war es nicht besser, und das Jahr davor war ebenso schlecht. Ich kann den Pachtzins nicht bezahlen. Zum dritten mal. Aber dieses mal werde ich wohl mein Land verlieren. Dann kann ich ins Armenhaus gehen. Oder meine Familie wird verhungern.” “Ihr habt Familie?” fragte die Gestalt. “Einen Sohn und zwei Töchter.” sagte Martin. “Das ist Schlimm.” sagte die Gestalt.

In diesem Moment stürmte ein Junge in das Haus. Er wollte wohl etwas sagen, aber beim Anblick der Gestalt stockte ihm wohl der Atem. Der Junge war etwa 14 Jahre alt, Blond, sehr Hübsch, und er hatte Wasserblaue Augen.

Die Gestalt sprang auf und stieß keuchend hervor:” Er ist mein Ebenbild. Wie ist das möglich?”

Auch Martin war aufgesprungen und fragte erschreckt:” Was meint ihr damit? Mein Herr.”

Jetzt riss sich die Gestalt den Schleier herunter und nahm den Turban ab. Blonde Haare quollen darunter hervor. “Das will ich Dir sagen Martin. Ich war einmal Dein Bruder Heinrich. Und bestimmt erinnerst Du dich daran, wie Du mich festgehalten hast, als ich auf diesem Tisch, jawohl auf diesem Tisch kastriert wurde. Bestimmt erinnerst Du dich auch daran, was dann im Pferdestall passierte. Oder etwa nicht. Das Aussehen Deines Sohnes muss dich doch jeden Tag deines Lebens daran erinnern. Er ist mein Ebenbild. Wie mein Zwilling sieht er aus. Schau ihn doch an.” schrie die Gestalt.

Der Junge war völlig geschockt und Martin wich entsetzt zurück. “ Heinrich? Heinrich! Was…! Was willst Du von mir? Ich hab Dir doch nichts getan.”

“So ! Nichts getan. Ich erinnere mich aber etwas anders daran. Unser Vater hat mich verkauft. Für 10 Goldstücke verkauft, jawohl. Aber sei ohne Sorge. Ich will Dir nichts tun.” sagte Heinrich und setzte sich wieder.

“Und wieso bist Du wieder hier?” fragte Martin immer noch in Panik.

“Keine Angst. Ich wollte nur mal sehen was aus euch geworden ist.” sagte Heinrich. ”Und eigentlich wollte ich mich auch nicht zu erkennen geben, aber jetzt ist es nun mal passiert.”

Martin hatte seine Fassung fast wieder gewonnen.” Es scheint, es geht Dir sehr gut. Wo warst Du all die Jahre?”

Heinrich lachte spöttisch. “Gut? Ich bin Reich. Aber Vater und Dir habe ich das nicht zu verdanken. Oh ja. Ich habe viel erlebt. Die Zigeuner waren sehr gut zu mir. Übrigens heißen sie nicht Zigeuner sondern Roma. Also wie gesagt, sie waren sehr gut zu mir. Ich lernte Lesen und Schreiben. Außerdem Schauspiel und Tanzen. Am besten konnte ich Tanzen. Der tanzende Eunuch. Wir reisten durch die ganze Welt. Und ich tanzte vor Fürsten und Königen. Einmal sogar vor dem Pabst. Aufregend war diese Zeit. Mit vielen dieser Fürsten teilte ich auch das Nachtlager, und sie machten mit mir das gleiche wie Du damals in unserem Pferdestall. Mein Bruder. Ein Bulgarischer Graf wollte mich sogar Heiraten, aber man hätte ihn wohl getötet, wenn er einen Eunuchen geheiratet hätte.

Aber immerhin waren diese Herren sehr großzügig. Und sie bezahlten meine Dienste mit Gold.

Viel Gold. Du hattest damals ja nur Beschimpfungen für mich übrig. Mein Bruder. Manchmal habe ich mir gewünscht, das ich noch meine Hoden hätte, aber auch so bin ich Glücklich. Ich habe in den Roma treue Gefährten gefunden und ich habe auch eine wundervolle Frau. Ich kann sie zwar nicht körperlich lieben, aber auch so ist es eine hervorragende Partnerschaft. Du siehst also, mein Bruder, mir geht es mehr als gut.”

“Wenn es Dir so gut geht, kannst Du mir nicht helfen? Bruder.” sagte Martin nun fordernd.

Heinrich lachte laut auf.” Hast Du eben Bruder gesagt? Bruder, das ich nicht Lache. Damals war ich doch nur ein dreckiger Eunuch für Dich. Warum sollte ich ausgerechnet Dir helfen? Aber da kommt mir eine andere Idee. Wenn Du zustimmst, werde ich deine Schulden begleichen, und Dir außerdem noch eine schöne Summe zukommen lassen.”

“Ich mache alles. Was willst Du?” sagte Martin schnell.

Heinrich beugte sich über den Tisch und zischte Martin zu :” Nicht so schnell mein Bruder. Überlege sehr gut was ich Dir vorschlage. Ich will Deinen Sohn. Ja da staunst Du was? Sorge dafür, das er noch Heute gebadet wird, und wenn ich in 2 Stunden zurück komme sollte er Nackt auf diesem Tisch liegen. Sonst gehst Du doch noch ins Armenhaus.” Dann stand Heinrich auf und verließ ohne weitere Worte das Haus.

Martin wusste genau was Heinrich gemeint hatte. Heinrich würde seinen Sohn kastrieren. Verzweiflung übermannte ihn. Sein einziger Sohn. Aber was sollte er tun? Schließlich sagte er seiner Frau, sie solle den Sohn baden.

Nach 2 Stunden kam Heinrich zurück. Er hatte einen Zigeuner bei sich.

“Hallo Bruder. Du erinnerst Dich vielleicht an Ramon? Er hat mich damals kastriert.

Wie ich sehe, nimmst Du mein Angebot an. Eine gute Wahl. Dann wollen wir mal zur Tat schreiten.” sagte Heinrich, denn Martins Sohn lag nackt auf dem Tisch. Wie damals träufelte Ramon dem Jungen ein paar Tropfen in den Mund. Nach kurzer Zeit war der Junge betäubt. Ramon machte den Jungen dann sehr schnell zu einem Eunuchen, und übergab seine Hoden Heinrich, der sie in ein Tuch wickelte.

“War einfach wie bei Dir. Klöten wollten schnell aus Sack. Wird er genauso hübscher Eunuch wie Du.” sagte Ramon zu Heinrich. Beide lächelten sich an. Dann zog Heinrich einen ledernen Beutel mit Münzen aus dem Gürtel und legte ihn auf den Tisch. Dann zählte er langsam noch 10 Goldstücke daneben. Martin sah ihm mit leeren Augen zu.

Heinrich nahm den ohnmächtigen Jungen auf den Arm und sprach zu seinem Bruder :” Damit der Junge keine Nacht im Pferdestall verbringen muss, nehme ich ihn gleich mit. Ihm wird es sehr viel besser ergehen als Dir und mir. Und nun lebe wohl mein Bruder. Gehe sorgfältig mit dem Geld um, denn wir werden uns bestimmt nie mehr wieder sehen.”

Er verließ das Haus mit dem nackten Jungen auf dem Armen und ging in Richtung des Lagers. Ramon folgte ihm.

Martin trank die ganze Flasche aus. Trotzdem schlief er in dieser Nacht keine Minute.

Am nächsten Morgen war das Lager verschwunden. Nichts erinnerte mehr an seine Anwesendheit. Nur das ein Junge fehlte, fiel im Dorf auf.

Und ein kleines Mädchen entdeckte an der Dorfeiche zwei Knabenhoden die an einem Ast baumelten.



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