Wie das Blöcken von Schafen
By: Mozart

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[WARNING] [NULLIFICATION] [Clitorektomy]

Besuch eines Beschneiders in der Türkei, Beobachtung, wie einer jungen Engländerin auf ihren eigenen Wunsch hin die Klitoris entfernt wird.


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Wie das Blöcken von Schafen

Es war in meinem Türkeiurlaub, ich hatte gerade eine Woche in Antalya den Strand belegt, gebadet und trotz des moslemischen Umfeldes nicht wenig getrunken, da kam ich auf den Gedanken, eine Rundreise ins Landesinnere zu machen. Die Fahrt begann im Bus über holprige Strassen und nach den angesagten Besichtigungen landeten wir in einem kleinen Ort. Ich hatte schon genug von der Reisegruppe und setzte mich ab, die Übernachtung war sowieso in einer der örtlichen Pensionen gebucht. Auf dem Marktplatz sah ich ein kleines Café und bestellte mir einen Mocca. Plötzlich hörte ich aus einem der Nachbarhäuser kurze gepresste Schreie, es klang wie das Blöcken von Schafen.

Ich winkte dem Ober, von dem ich von der Bestellung her wusste, dass er deutsch sprach, "Was ist da los, da schreit jemand?", er lächelte verhalten und sagte "Da ist eine Praxis, die sich spezialisiert hat auf etwas, was Sie wahrscheinlich nicht verstehen werden, hier in der Türkei werden in strengen Familien die Mädchen in ihrer Keuschheit unterstützt, und es finden immer noch Beschneidungen statt." "Wenn's ans Eingemachte geht, quiecken die Mädels" bemerkte ein Nachbar, offenbar ein ehemals deutscher Gastarbeiter, am anderen Tisch süffisant, und ich sah an seinem Schritt, dass ihn die Kulisse mit den unterdrückten Schreien anturnen mußte. "Sie wollen behaupten, dass da oben den Mädchen die Geschlechtsteile beschnitten werden, während wir hier unten bei einem Mocca sitzen. Sie nehmen mich auf den Arm!", "Aber nein, das ist wirklich so. Es ist die einzige Praxis dieser Art hier in der ganzen Gegend und übrigens kommen auch Leute aus Europa, auch aus Deutschland und Amerikanerinnen habe ich auch schon gesehen, die sich hier beschneiden lassen - die Praxis ist bekannt! Westliche Frauen lassen sich öfter beschneiden, als Sie sich das vorstellen können und hier geschieht alles hygienisch und kontrolliert - anders als etwa in Afrika. In Ägypten machen sie nur die Gishiri-Beschneidung, da kommt nur die äußere Glans ab, das ist vielen zuwenig.". Den Kellner amüsierte es, mich aufzuklären. "Sagen Sie," erwiderte ich, "kann man bei so etwas vielleicht mal zuschauen. Ich bin selbst Humanmediziner und zumindest mit den Resultaten gelegentlich schon konfrontiert worden?", "Da müssen Sie den Beschneider selber fragen, heute hat er sein Pensum wohl durch und er wird gleich vorbeikommen." Ich bestellte noch einen Raki und wartete.

Die Sonne glänzte in zarten Rottönen von der Dämmerung, als aus dem erwähnten Haus zuerst eine Familie mit ihrer offenbar benommenen jugendlichen Tochter trat und kurz darauf ein Herr in mittleren Jahren die Haustür zuzog. Der Kellner nickte mir zu und sprach den türkischen Arzt auf mich an.

Dr. A, wie er mir nun vorgestellt wurde, reichte mir freundlich lächelnd die Hand. "Sie sind ein Kollege aus Deutschland, wie ich höre. Ich habe in München studiert und freue mich, jemanden vom Fach von dort zu sprechen.", "Die Freude ist ganz auf meiner Seite," komplimentierte ich zurück, "Ich habe das Mädchen gehört und bin so auf Sie und das, was Sie hier tun, aufmerksam geworden. Wie sind Sie auf den Gedanken gekommen, eine Beschneidungspraxis einzurichten?", "Das mag Ihnen fremd vorkommen, aber auch in Deutschland leben etwa 20 000 beschnittene Frauen und nicht nur Exilantinen aus Afrika! Na ja, ich beschneide die Mädchen, weil es jemand tun muß. Wenn nicht ich, dann die Oma oder die Tante oder wer sonst immer, so ist wenigstens alles steril und es passiert nichts Schlimmeres. Die Beschneidung nimmt den Mädchen die Lust oder zumindest den - ich nenne es mal so - den orgiastischen Teil davon. Sie hat aber auch Vorteile. Sie müssen die sozialen Strukturen hier anerkennen, die Mädchen werden in die Ehen versprochen, häufig sind die Partner auch wesentlich älter, da schafft eine freizügig ausgelebte Sexualität wie etwa im westlichen Europa Probleme. Die Mütter und Großmütter wurden bereits beschnitten, da steht dann der Gedanke im Raum, warum soll es den Töchtern anders ergehen, ihnen hat es ja auch nicht geschadet. Der Argumente sind viele: Reinheit, Glaubensfragen, Selbstdisziplin, die man so fördern möchte, und natürlich die Kontrollierbarkeit im Familienverband, der hier noch einen anderen Stellenwert genießt als bei Ihnen. Stellen Sie sich hier auf dem Dorf eine junge Türkin vor, die Samstags in die Disko möchte - die es hier gar nicht gibt -, die vielleicht im Minirock oder im Büsstier die Männer verrückt machen könnte. Das passt alles nicht hierher und deshalb dieser vermeintlich barbarische Akt. Ich weis, was Sie denken und kenne selbst die Freuden der Sexualität aber auch ihre Zwanghaftigkeit zur Genüge."

Ich war überrascht so eloquent die Beschneidung gerechtfertigt zu sehen. Bei uns war sie kaum je ein Thema und wurde wenn, dann immer als tyrannischer Auswuchs altertümlich patriarchalischer Dritter-Welt-Strukturen mitleidvoll abgetan.

"Herr A:" fragte ich, "ich würde mir gerne mal eine Beschneidung bei Ihnen ansehen, das Thema und auch die Art Ihrer Behandlung interessieren mich!", "Das ist kein Problem, im Gegenteil, ich würde mich freuen, wenn Sie mir nachher assistieren könnten. Ich habe etwas außer der Reihe noch für heute Abend eine Operation angesetzt, übrigens mit einer jungen Engländerin und da schafft ein deutscher Kollege Vertrauen. Um 19 Uhr ist der Termin, und wenn Sie möchten, kommen Sie eine Viertel Stunde vorher zu mir in die Praxis, gleich hier das zweite Haus. Für jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich möchte noch etwas zu Abend essen." Ich bedankte mich mit einem Händedruck und zustimmendem Nicken, es war alles geklärt.

Fortsetzung folgt



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