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Frida hatte ihre Gefühle im Griff. Sie verzog keine Mine, doch in ihrem Innersten überflutete Sie der Zorn. Wie ein Schwall. Es lag ein bitterer Geschmack auf ihren Lippen. Sie nickte dem Mann zu, der sie so höflich lächelnd grüßte. Oder umspielte ein höhnischer Zug seine Mundwinkel? Er war noch keine 40, schätzte Frida. Er hatte nicht einen Bruchteil ihrer Erfahrung. Er hatte sich nicht 15 Jahre aufgearbeitet für diese Kanzlei, sich nicht hochgearbeitet durch Fleiß und Kompetenz. Das einzige, was ihn auszeichnete war, dass er ein Mann war. Darum würde er die Beteiligung bekommen, die sie verdient hatte. Frida hatte es doch genau gesehen, wie der Chef ihm auf die Schulter geklopft hatte, wie sie gelacht hatten. Kerle unter sich. Sie wusste, dass sich auch andere um die Stelle beworben hatten. Und dann dieses höhnische Lächeln des Mannes. Wer war das? Fragte Frida die Sekretärin des Chefs, Frau Rodriguez als der die Tür seines Büros geschlossen hatte. Sie blickte von dem Schriftsatz auf, mit dem sie beschäftigt war. Rogalio Gimenez, ich kenne ihn auch nicht und der Chef tut so ein bisschen geheimnisvoll. Nett, oder? Frida nickte nur und presste ihre Lippen zusammen, die immer bitterer schmeckten. Nett. Ist der Herr aus der Stadt? Frau Rodriguez schüttelte den Kopf. Nein, ich habe ein Zimmer im Gran Hotel für ihn reservieren müssen. Ach. Sagte Frida nur. Aber in ihrem Gehirn begann eine Idee heran zu reifen, die wuchs, wie ein bösartiges Geschwür.
Am Nachmittag rief Fridas Chef sie in ihrem Büro an. Sie mochte das Büro. Es war nicht besonders groß, aber auch nicht klein, hatte einen Blick über die Stadt, bis hin zur Kathedrale mit ihren üppigen Kuppeln. An der Tür stand ihr Name auf einem diskreten Schild. Frida Siquieros, Rechtsanwältin. 44 Jahre, ledig, keine Kinder Gott sei´s gedankt. Fügte sie in Gedanken hinzu. Beziehungen interessierten Sie nicht. Zuerst hatten die Männer hatten sich nicht besonders für sie interessiert, bisweilen waren sie mit ihr ins Bett gegangen, wenn sie sich Vorteile erwartet hatten. Eine Zeit lang war Frida der Überzeugung gewesen, Erfüllung in der lesbischen Liebe zu finden. Aber auch ihre Partnerinnen hatten Sie nicht überzeugt. Ich möchte Sie bitten, sich übermorgen um 7:00 Uhr bereit zu halten. Ich möchte dann nochmals die drei aussichtsreichsten Kandidaten für die Beteiligung bitten, vor zu sprechen, damit alles seine Richtigkeit hat. Sie sind natürlich darunter. Eigentlich mochte Frida ihren Chef, Jeronimo Juarez. Er hatte sich trotz seines Erfolgs als ausgefuchster Anwalt eine gewissen Schlichtheit und Güte bewahrt, so dachte sie. Vielleicht war es aber auch nur eine Masche. Heute mochte sie ihn nicht. Sie hasste es, wenn man unehrlich mit ihr umging und noch mehr, wenn man sie für dumm verkaufte. In Ordnung. Sagte sie. Sie war nur so weit gekommen, weil sie ihre Gefühle im Griff hatte. Dann legte sie den Hörer auf, sagte ihrer Sekretärin, dass sie heute früher Schluss machen würde und ging ins Nationalarchiv, Abteilung für Zeitschriften und Zeitungen. Am Abend ging sie ins Restaurant des Gran Hotel. Frida hatte Glück, er kam nur wenig später nach ihr, Rogalio Gimenez. Und entdeckte sie. Und kam sogar an ihren Tisch. Der Mann lächelte liebenswürdig. Er war attraktiv und vielleicht wusste er das zu gut. Das ist ja eine Überraschung. Frida tat so, als würde sie ihn nicht erkennen. Wir haben uns heute bei Juarez & Partner gesehen. Ach, natürlich. entgegnete Frida herzlich. Würde es Sie stören, wenn ich mich zu Ihnen setze? Sie zögerte. Gar nicht. Sagte sie dann. Und fing an zu plaudern. Doch viel brachte sie nicht aus ihm heraus. Nichts, was sie nicht schon recherchiert oder geahnt hätte. Er war Anwalt und beruflich in der Stadt. Doch er wollte nicht über das Berufliche reden. Es schien ihm unangenehm. Sie wusste dass er 36 war, unverheiratet. Und ihr war bekannt, in welcher Anwaltskanzlei er arbeitete. Er schien erfolgreich. Und Rogalio Gimenez flirtete mit ihr; es war fast rührend. Er war überhaupt seit langem der erste Mann, der mit ihr flirtete und Frida fragte sich, warum eigentlich. Was er damit bezweckte. Er hätte viele Frauen haben können, so dachte sie. Und als sie gegessen hatte, verabschiedete sie sich und ging. Aber nicht nach Hause. Sie ging in die Avenida Morelos Nr. 143 a und klingelte. Die Frau war noch schöner als auf dem Bild. Ich habe etwas für Sie. Sagte Frida. Er öffnete die Tür. Rogalio, der Mann, mit dem sie sich die nächsten Stunden beschäftigen würde. Er sah gut aus in seinem blauen Nadelstreifenanzug. Sein Gesicht wirkte sehr jung, doch der Ansatz eines Bartes und die dunklen, kurzen Haare ließen ihn männlich wirken. Ihr fielen die schönen, gepflegten Hände auf. Rogalio blickte fragend. Hallo, ich bin Victoria, Deine Begleitung für heute Abend. Sagte sie frei heraus. Sie war gespannt, ob es klappen würde. Ihr Gegenüber stutzte und während es in seinem Gehirn arbeitete, stellte sie sich vor, wie es sein würde, ihn aus zu ziehen. Na was ist? Sie lachte. Keinen Mut mehr, wo schon alles bezahlt ist. Du bist doch Raul Gimenez? Ja, klar, entschuldige bitte. Wollen wir etwas essen gehen. Hab dich schon. Dachte sie. Gerne. Sagte sie. Drei Stunden später wusste sie, wie es war, ihn aus zu ziehen. Sie wusste sogar, wie sein Glied sich anfühlte, wenn es in sie eindrang. Und sie wusste, wie es sich anhörte, wenn er stöhnte. Nach dem Essen hatte sie ihn in ihr Appartement, Avenida Morelos Nr. 143 a, abgeschleppt. Penthouse, mit Blick über die Stadt, verspiegelten Wänden und verspiegelter Decke und einer Spielwiese mit schwarzem Latexüberzug. Sie ließ ihn machen, die erste Runde gehörte ihm und er war mit seinen Händen und seiner Zunge auch recht geschickt. Sein Körper war der eines gesunden, schlanken aber nicht künstlich trainierten Mannes, sie mochte es. Natürlich bedeutete er ihr nichts. Und natürlich würde sie sich nicht im Lustrausch verlieren, zumindest jetzt noch nicht. Aber die Sache war mit einem ansehnlichen Kerl doch bedeutend angenehmer. Er hatte etwas gebraucht in Gang zu kommen und noch im Eingleiten war er zunächst zögerlich, hatte dann aber schnell und kraftvoll zugestoßen als wolle er sich selbst entjungfern. Von da an funktionierte seine Männlichkeit wie ein Schweizer Uhrwerk, er war in vollem Saft und offenbar ein wenig ausgehungert, so dass sie nicht allzu viel tun musste, um ihn zu begeistern. Rogalio brachte sich selbst immer wieder bis kurz vor den Höhepunkt um dann inne zu halten. Er trieb es fünf Mal so und sie ließ ihn fünf Mal gewähren; beim sechsten Mal sie fand das eine gute Zahl klatschte sie ihm auf den Hintern, presste ihn mit ihren Schenkeln noch näher in sich und brachte ihren Beckenboden in Bewegung. Ihr Partner war überrascht und gleich darauf orgiastisch. Sein Gemächt führte einen netten Tanz auf, er gab zunächst keinen Ton von sich, keuchte dann aber, als befände er sich in einer anderen Welt. Das also war Runde Nummer eins. Sie saß über ihm, es fiel bereits das erste schwache Licht der Morgendämmerung in den Raum, auf ihren geschmeidigen Körper, auf seine angespannten Muskeln. Im Abfall unter dem Waschbecken im Badezimmer lagen fünf entsorgte Kondome, glänzend von den Säften der körperlichen Liebe. Er hatte gesagt er müsse gehen. Doch er konnte nicht einfach gehen. Vor der fünften Runde hatte sie ihn gefesselt, jeden Arm und jedes Bein an einen Bettpfosten. Vermutlich wollte er auch nicht wirklich gehen, denn er schien immer noch berauscht vom Haschisch. Um seine Peniswurzel lag ein Cock-Ring, die Eichel hatte sie vor einigen Sekunden wieder in ihren Mund gesaugt. Eben spielte ihre Zunge mit dem Vorhautbändchen. Sie hatte es am Anfang nicht einordnen können, jetzt wusste sie es. Er schmeckte nach Olivenöl. Seine genüsslichen, treibhaften Kadenzen stiegen an ihr Ohr, sie kostete es aus, zum letzten Mal. Sein Glied stieß schon kein Sperma mehr hervor, zuckte aber nervös, als sie ihn nochmals zum Höhepunkt brachte. Ich muss jetzt gehen. Murmelte er, als er wieder dazu in der Lage war. Du musst vor allem den Mund halten. Erwiderte sie und legte ihm einen Knebel mit einem Gummiball um das Gesicht so dass sein Mund verschlossen war. Rogalio war überrascht, würgte ein wenig, beruhigte sich aber wieder. Du hattest Deinen Spaß. Sagte Victoria die eigentlich nicht Victoria hieß ganz ruhig. Jetzt habe ich meinen. Er blickte fragend, dann entsetzt, denn sie hatte ein Messer aus dem Nachtkästchen hervor geholt. Je weniger Du zappelst. Flüsterte die Frau, desto weniger weh tut es. Natürlich zappelte er trotzdem, auch wenn es nichts nützte. Sie setzte sich wieder auf ihn, mit dem Rücken zu seinem Gesicht, streichelte über sein noch halb steifes Glied und zog den Ring herunter. Weißt Du, Du bist ganz ok, aber eindeutig zu schwanzgesteuert. Das muss ich ändern. Sie setzte das sehr scharfe Messer über dem Penis an und drückte es in sein Fleisch, es kam relativ wenig Blut, es war fast unwirklich. Auch sein Schreien war unwirklich. Tief in ihrem Schoß begann alles zu vibrieren, es war ein erregendes Gefühl, ihn zu dominieren, den sich aufbäumenden Körper mit ihrem Becken aufs Bett zu zwingen. Sie ließ sich Zeit und konzentrierte sich auf den Schnitt, von der Peniswurzel nach unten, bis unter den Hodensack und von dort wieder nach oben. Damit hatte sie das Gebiet abgesteckt, das bald nicht mehr ihm gehören würde. Wieder an der Peniswurzel angelangt, zog sie das Messer nun genüsslich nach unten, durch den Schaft, die Harn-Samenröhre und trennte auch den Hodensack mitsamt den Eiern ab. Rogalio schrie nicht mehr wie am Spieß, er wimmerte nur noch, sein Körper lag schlaff auf dem Bett, er schien mit dem Verlust seines Fortpflanzungstraktes seine ganze Spannkraft verloren zu haben. Na? Wollte die falsche Victoria wissen. Wie fühlt man sich, so vollständig kapaunt? Über sein Gesicht liefen Speichel und Tränen. Er tat ihr nicht leid. Sie hatte ihm ja eine schöne letzte Nacht beschert. Wie vielen Männern. Sie hatte auch schon zwei kastriert, allerdings immer auf eigenen Wunsch. Ihr Unterleib zog sich zusammen, Arme und Beine kribbelten. Rogalio wandte sich ab, zwischen seinen Oberschenkeln begann nun das Blut herauszulaufen. In dem Moment klingelte das Telefon. Sie blickte auf die Uhr, es war 7:23. Es musste geklappt haben, dachte Frida, als sie im Büro ihres Chefs saß, pünktlich um 7:00 Uhr und Rogalio Gimenez nicht auftauchte. Es war so, wie sie es sich gewünscht hatte. Der Bewerber war verhindert. Man befreite ihn gerade von seiner männlichen Überheblichkeit. Um 7:09 war Jeronimo Juarez aufgestanden und im Zimmer umher gelaufen. Seltsam. Murmelte er. Rogalio ist sonst immer so pünktlich. Rogalio? Fragte Frida, die bisher schweigend da gesessen war. Ja, wir warten auf Rogalio Gimenez. Sagte der Chef und setzte sich wieder ohne sich zu erklären. Um 7:14 erhob er sich wieder. Also. Begann Jeronimo Juarez dann. Also dann sage ich es Ihnen eben jetzt. Schade, ich hätte Ihnen die gute Nachricht gerne gemeinsam mit meinem Sohn überbracht. Frida klappte den Mund auf und wollte sprechen. Doch die Gedanken in ihrem Kopf hinderten sie daran. Ihrem Sohn? sagte sie dann. Der Chef hatte keinen Sohn. Nie gehabt. Jeronimo Juarez lächelte. Ja. Ich wusste bis vor kurzem auch nichts von ihm, stellen Sie sich vor, Frida. Ich hatte vor 37 Jahren eine Affäre, die, nun ja, nicht ganz folgenlos war. Es ist wie verhext. Rogalio ist sogar Anwalt geworden. Frida Siquieros konnte ihr Gegenüber nur anstarren. Es war ihr kalt, eiskalt. Sie dachte, ihr Herz müsse gefrieren. Sie wissen ja, dass ich schon länger mit dem Gedanken spiele, mich aus der Kanzlei zu verabschieden. Und als ich jetzt meinen Sohn wieder getroffen habe, der als erfolgreicher Anwalt arbeitet, da sah ich den Zeitpunkt gekommen. Ich werde ihm die Kanzlei in Etappen übergeben. Nun ja. Und Rogalio hat sich sehr nach den Mitarbeitern erkundigt. Er war ganz begeistert von Ihnen, von Ihrer Arbeit, ihrer Erfahrung. Deshalb wollte er Ihnen heute sagen, dass er sie gerne als gleichberechtigte Partnerin hätte. Ich weiß auch nicht, wo er jetzt bleibt. Frida unterdrückte das Bedürfnis, sich auf der Stelle zu übergeben. Sie erhob sich wie eine Maschine und rannte in ihr Büro, hörte noch Jeronimo Jimenez der ihr nachrief. Aber Frida, was haben Sie denn plötzlich? Ist Ihnen nicht gut. Doch Frida wollte nur noch eines. Sie wollte zu ihrem Handy, sie tippte die Nummer, vertippte sich, tippte wieder. Victoria legte die abgeschnittenen Geschlechtsorgane auf das Bett und nahm ab. Hören Sie. Sagte die Frau. Hören Sie sofort auf, es war ein Irrtum. Hören Sie? Die Sache ist abgeblasen. Victoria blickte auf den gefesselten Eunuchen auf dem Bett, aus dessen Unterleib nun das Blut plätscherte. Dafür ist es leider zu spät, Lady. Ich glaube nicht, dass der Herr noch daran interessiert ist, jetzt aufzuhören. Ich habe ihn soeben kastriert. Damit legte Victoria auf. Keine Angst. Wandte sie sich an Rogalio. Du wirst nicht lange ein Kapaun bleiben. Ich bringe die Sache jetzt zu Ende. Sie öffnete den Knebel, er röchelte nur noch, vom Blutverlust bereits geschwächt. Dann nahm sie seinen ehemaligen Mannesstolz, riss seinen Mund auf und steckte Penis und Hodensack hinein, wickelte schließlich Klebeband darum. Rogalio rang nach Luft, er wurde nochmals panisch, dann bäumte er sich auf und fiel auf Bett zurück, die schönen dunkelbraunen Augen starrten sie gebrochen an. Er war an seinen eigenen Geschlechtsorganen erstickt. Victoria ging ins Bad, duschte sich. In ihrem Schoß klang der Orgasmus noch nach. Sie hätte seine Hoden oder seinen Penis gerne mitgenommen, als Andenken, aber das konnte sie nicht. Es sollte aussehen wie ein Mord in der Drogenszene. Dort schnitt man Gegnern oder unzuverlässigen Partnern auch die Männlichkeit ab. Als sie sich angezogen hatte, telefonierte sie. Ihr könnt den Müll jetzt rausbringen. Sagte sie nur, blickte auf das Bett. Sein Blut war über die schwarze Latexhaut gelaufen, bis auf den Boden. Gut, dass sie nicht für´s Putzen zuständig war. Sie schnitt ihm ein paar seiner schwarzen Hare ab, die sich so gut angefühlt hatten und ging. Am nächsten morgen, als Frida ins Büro kam wurde es endgültig Gewissheit. Es stand in der Zeitung, mit Bild. Verstümmelt und aufgehängt. Männliche Leiche an der Rosario-Autobahn-Brücke gefunden. Das Bild zeigte einen Teil der Betonbrücke und die Rückenansicht des hängenden Leichnams eines schlanken Mannes, das Gesicht war nicht erkennbar, denn es war mit Klebeband umwickelt. Im Text stand, dass der bisher nicht identifizierte Mann kastriert worden war, etwa 30 bis 35 Jahre alt sein musste und erstickt war. Man erging sich in Spekulationen, ob es sich um einen Mord der Drogenmafia handele. Frida wurde wieder schlecht, aber sie hatte nichts im Magen, was sie hätte erbrechen können. Gegen Mittag kamen zwei Polizeibeamten, Frida sah sie mit dem Chef das Haus verlassen. Jeronimo Juarez kam nicht mehr zurück. Nicht an diesem Tag und nicht am nächsten. Er hatte, kurz nachdem er seinen Sohn identifiziert hatte, einen Herzinfarkt erlitten und starb zwei Tage später. Wenige Monate später wurde die Anwaltskanzlei leer geräumt; das diskrete Schild mit der Aufschrift Frida Siquieros, Rechtsanwältin verschwand von der Bürotüre.
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