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Nach wenigen Metern kletterten sie die Böschung hinauf, durchquerten ein Stück des Pinienwaldes bis sie schließlich an einem sandigen Feldweg standen. Da drüben ist er. sagte der Knabe und zeigte auf eine Lichtung links des Weges. Natascha blickte in die Richtung und erspähte ein lilafarbenes rundliches Gefährt. Es war ein VW-Buggy. Ein nach beiden Seiten offener kleiner Wagen für 2-4 Personen, ausgestattet nur mit Windschutzscheibe und Überrollbügel. Statt eines Daches hatte das Auto ein mit Solarzellen ausgekleidetes Gitter. Mit seinem kurzen Heck und den runden Kotflügeln sah das Wägelchen irgendwie lustig aus. Und das fährt? begann Natascha zu kichern. Der Junge ließ sich nichts anmerken. Das werden sie gleich sehen! sprach er. Ach, übrigens ich heiße Juanito, Juanito do Escobal. Angenehm, ich bin die Doktora Pawlowa y las Mercedes, aber du darfst Natascha und auch du zu mir sagen." Als sie am Wagen waren fragte sie ihn: Wohin mit Tanja? Am besten setzt sie sich dahin. Juanito zeigte auf die Rückbank des Buggys Da kann sie sich auf den Rücken hinlegen, ohne mit den Wunden irgend wo zu scheuern. Natascha half ihrer Tochter nach hinten, dann nahm sie neben Juanito, der schon am Steuer saß und den Wagen anließ Platz. Er drückte einen kleinen Hebel nach unten und drehte gleichzeitig an einem Rädchen links neben dem Lenkrad. Mit einem leisen Schnurren rollte das Gefährt an. Juanito gab Gas oder besser gesagt Strom. Seit Jahrzehnten wurden Fahrzeuge von Brennstoffzellen angetrieben, die mit Wasserstoffgas betrieben wurden. Sanft glitt das Gefährt über die bucklige Piste ohne die Stöße an die Insassen weiterzugeben. Minuten später hatten sie die Strandpromenade erreicht. Juanito bog nach drei Straßenkreuzungen rechts ab Richtung Autostrada del norte dann in diese links rein Richtung Barcelona. erst mal auf der Autostrade gab Juanito richtig Gas. Wow, hätt nicht gedacht dass so ein Solarauto so schnell sein kann, besonders nicht am Abend. staunte Natascha. Der schafft 150! entgegnete Juanito stolz. Wird mit nem Lithium-Ionenakku als Energiequelle betrieben und hat an jedem Rad Nabenmotoren,also Allradantrieb und Einzelradaufhängung auf allen Vieren. dazu noch ne Hydraulikfederung. Damit komm ich de facto überall hin. Natascha blickte den Jungen am Steuer an. Er erwiderte ihren Blick und grinste nur. Gab kurz darauf noch zusätzlich Gas. Ach ja. der Akku wird natürlich während des Stillstands permanent von den Solarzellen wiederaufgeladen. Tanja schrie auf Nicht so schnell! ich kann mich nicht festhalten. Juanito nahm die Leistung wieder etwas zurück. Paß bitte ein bißchen auf, wegen ihr. sagte Natascha. Nachher aufm Rückweg können wir über die Piste heizen. Einverstanden. nickte Juanito. Wir? durchfuhr es Natascha durch den Kopf, derweil sie die Autostrada wieder verließen und links ab Richtung Mittelmeer wieder rollten. o.k. wir müssen ja noch zurück. aber dann? Natascha musterte wieder den 16-jährigen. Jungs dachte sie wieder nichts hat sich geändert. Nix. trotz Emanzen, trotz feministischer Erziehung, trotz genereller Emaskulation. Sobald du von Technik und vor allem Autos sprichst werden die wach und schauen so glückselig wie eine Mutter nach der Niederkunft.
So, wir sind da! sprach Juanito. Der Solarbuggy rollte bis zum Eingang der Notaufnahme. Natascha hatte ihre Tochter kaum aus dem Wagen gehoben, da waren 2 Schwestern schon mit einer Liege da und betteten sie nackig drauf. Natascha und Juan folgten Ihnen in die Notaufnahme. Nach einem kurzen Gespräch am Schalter wurde Tanja weiter in die Intensivstation gerollt, während Natascha und der Junge in der Wartehalle Platz nahmen. Ein Arzt kam zu ihnen und Juanito erzählte ihm was vorgefallen war. Der Arzt wollte wissen, wann wie lange, und vor allem welche Qualle das gewesen sein soll. Natascha zuckte mit den Schultern. Doch der Junge wußte genau Bescheid und beschrieb Spezies und Unterart in all ihren Details. Zufriedengestellt bat der Arzt sie in der Wartehalle Platz zu nehmen, doch Natascha hielt es aus Sorge um Tanja nicht auf den Sitzen. Unruhig schritt sie zwischen den anderen wartenden Angehörigen hin und her, derweil Juanito sich gleich auf drei Sitzen lümmelte und an einer Cola nuckelte. Die Sonne war schon untergegangen,als endlich ein junger Arzt mit einem vierschrötigen Bauerngesicht sich zu ihnen wandte. Gestatten, ich bin Dr. Petruschenko, Immunologe. Sind sie Frau Pawlowa, die Mutter des Mädchens, welches von er Qualle genesselt wurde? Natascha blickte erwartungsvoll hoch. Ja. Was ist mit Ihr? Herr Doktor kommt sie...? Keine Sorge! Sie kommt durch. Zum Glück hat sie keine Allergie gegen das Gift entwickelt. Wir haben im Moment sehr viele Patienten, die mit Quallen aller Art in Berührung gekommen sind, darunter auch welche von Portugiesischen Staatsgaleeren und Ikurandji. Kommt von der heißen Witterung im Moment. Aber ihre Tochter hat zum Glück nur eine Feuerqualle berührt, wenn auch ziemlich heftig. Kann ich zu ihr Herr Doktor?" Er schüttelte lächelnd den Kopf. Im Moment kaum. Wir haben ihr wegen der Schmerzen ein Narkosemittel gegeben und behandeln zur Zeit ihre Verätzungen mit einer Cortison haltigen Decke. Aber morgen früh ist sie wieder ansprechbar. Natascha blickte ihn entgeistert an. Erst sagt er, sie käme durch und jetzt darf sie sie nicht sehen? Die Behandlung dauert etwas länger und sie bekommt übernacht eine entzündungshemmende Balsamierung. Aus Hygienegründen ist da ein Besuch nicht drin. Leider ist ihre Tochter etwas zu lange nach dem Kontakt ohne weitere Behandlung geblieben, wenngleich wohl die erste Hilfemaßnahmen völlig korrekt gewesen zu sein scheinen." Was heißt das? wollt Pawlowa wissen. Machen sie keine Ausflüchte Ich bin selber Ärztin! Was ist mit ihr? Nun", erwiderte der bauernschädelige Arzt mit einem dämlich verlegenen Grinsen. "Für sie besteht zwar keine Gefahr, jedoch wird sie einige Narben wohl am Körper zurückbehalten. Fassungslos blickte Dr. Pawlowa den Arzt an. Doch ehe sie ihn weiter etwas fragen konnte, hatte er sich von ihr abgewandt und war wieder in den OP verschwunden. Können wir sie nicht mehr heute sehen? Juanito war inzwischen aufgestanden. Er hatte das ganze Gespräch mit verfolgt. Natascha schüttelte weinend den Kopf. Warten Sie sprach der Junge vielleicht kann ich doch noch was erreichen. Juanito sprang Sekunden später zu einer Krankenschwester. Natascha blickte ihm nach. Der Junge schien der Schwester den Hof zu machen. Ständig schäkerte er mit ihr rum. 2 weitere Schwestern gesellten sich zu; dann fiel der Name einer Esmeralda Caballita. die Dame an der Rezeption nahm den Telefonhörer und fragte nach. Wenig später kam eine ältere Dame mit hagerer Gestalt und großer Brille aus einem der Gänge. Juanito mein Liebling! schallte es durch den Wartesaal was führt dich hierher?" Die weißhaarige Dame, wohl eine Ärztin nahm den Jungen stürmisch in die Arme und knutschte ihn ab. Natascha verstand in dem allgemeinen Lärm, der hier herrschte nicht was sie im einzelnen einander austauschten. Nur dass Juanito auf einmal in ihre Richtung zeigte, machte ihr klar , dass es um sie ging. 5 Minuten später standen sie, Juanito und die weißhaarige, hagere Ärztin mit der Brille, eingehüllt in OP-Kittel, Überschuhen , Mützen und Gesichtsmaske in der Intensiv Station vor einer zierlichen nackten Person, die an Armen und Beinen gefesselt, an allen möglichen Maschinen zur Überwachung mittels Schläuchen und Kabeln angeschlossen auf einem Tisch lag und mit einer silbrigen Paste beschmiert war. Tanja. Sie sehen Frau Pawlowa, dass Sie jetzt wirklich nichts für ihre Tochter tun können. Die Balsamierung muß bis morgen wirken. Vorher halten wir sie auch unter Narkose. Wegen der Schmerzen. Morgen mittag könne sie wieder mit ihr sprechen. und in einer Woche kann sie vielleicht schon wieder raus. Natascha blickte die Ärztin an. sie nickte zustimmend. Dann verließen sie wieder die Intensivstation. Draußen wurde langsam dunkel. Natascha hatte die Schutzkleidung abgelegt und machte sich langsam zum Ausgang mit betrübter Miene. Im Foyer gab die weißhaarige Ärztin Juanito einen langen und dicken Kuß auf die Wange, dann noch einen heftigen Klaps auf den Po. Ihr nachwinkend folgte Juanito Natascha zum Ausgang. Und laß die Frau in Ruhe du Schürzenjäger! rief sie ihm lachend zu. Auf dem Rückweg ließ Juanito es merklich ruhiger angehen, obwohl er nun keine Rücksicht auf einen verwundeten Passagier nehmen mußte und im Gegenteil jemand sehnlichst auf ihn wartete. Woher kennst du diese Ärztin?2 fragte Natascha. Ooch die. Öh, das ist meine Patentante. deshalb. Ich hab so meine Beziehungen. Soso Natascha blickte ihn an. Ihr fröstelte. Ihm aber wohl nicht, obwohl auch er nur in Shorts und T-Shirt bekleidet war. Barfuß jonglierte er zwischen den Pedalen des Solarbuggys. ein richtiges Naturkind eben. Können wir was schneller fahren? Sie bogen nicht in die Autostrada ein, sondern folgten der Strandpromenade, die an der Klinik entlang führte . und wieso sind wir nicht auf der Schnellstraße? Weil ich hinten kein Licht habe, deshalb. Will nicht, dass mir hinten einer reinfährt. entgegnete der Junge. Wie bitte? du fährst ohne Licht? Ja, weil es zur Zeit kaputt ist. Hab im Moment kein Geld, um neue Lampen zu kaufen. außerdem war es dir eben zu schnell. Das war wegen Tanja, aber deine Schwester wartet, und meine beiden Kleinen auch. Celeste ist nicht meine Schwester Nicht? Deine Cousine denn? Juanito schüttelte den Kopf auch nicht. Verstehe. Deine Freundin. Natascha grinste ihn schelmisch an Sag mal, was meinte denn die Dra. Caballita mit mich in Ruhe lassen und du wärst ein Schürzenjäger? Juanito schwieg. Soso, ein Don Juan. und versetzt seine geliebte Celeste. Natascha schüttelte wiederholt den Kopf. Sie hatten mittlerweile den Stadtrand erreicht. Celeste ist mein Bruder entfuhr es aus Juan. Wie bitte!? Fassungslos schaute Natascha ihn an. Juan blickte kurz zu ihr und bog nun links ab in eine Seitenstraße, die in einer langen Kehrtwendung sich unter der Hauptstraße durchschlängelte und zum Strand führte. wenig später waren sie wieder auf dem ihr vertrauten Feldweg. zumindest kein richtiges Mädchen. Du meinst, er ist... Natascha blickte ihn erstaunt an. Als er neun war, hat man ihn operiert. Natascha staunte. sie war ja selbst eine von den Ärztinnen, die kleinen Jungen die Genitalien entfernten; deren weitere Entwicklung verfolgte sie aber im allgemeinen nicht.
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