Präzise Waffen
By: Frank

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Eine Liebesgeschichte....


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Präzise Waffen

Morgens um Dreiviertel Sieben ging Torsten aus dem Haus, fuhr eine Dreiviertelstunde mit der Straßenbahn. Lief von der Straßenbahnhaltestelle in die Anwaltskanzlei, wo er um Dreiviertel Acht ankam und den ganzen Tag einen langweiligen Fall nach dem anderen bearbeitete. Er war dort ein kleines Licht. Nachmittags um 17:00 Uhr nahm er die Straßenbahn zurück und fuhr in seine Wohnung, im Obergeschoss eines Mietshauses von 1906. Keines der schönsten Häuser aus dieser Zeit, aber dennoch sehr wohnlich. Torsten wohnte allein. Seine Ehe hatte nur ein Jahr gehalten. Er war jetzt 37, aber das Leben schien nichts für ihn bereit zu halten. Nichts bis auf die abendlichen und nächtlichen Blicke aus seiner Balkontür. Das Haus von 1906 hatte einen engen Hof, und über den Hof ging der Blick zum Hinterhaus, einem etwa gleich alten Blankziegelbau. Früher war das eine Fabrik gewesen, jetzt waren dort teure Wohnungen eingebaut. Das oberste Stockwerk war aufgesetzt und fast ganz aus Glas. Und in diesem Stockwerk, ein wenig tiefer gelegen als Torstens Wohnung, lebte eine schöne Frau, etwa 30. Sie empfing Männer, viele Männer, meist in Anzügen. Vermutlich war Sie ein Callgirl. Meistens schloss sie die Vorhänge, doch manchmal blieben Sie offen. Torsten konnte dann ihre Nacktheit bewundern, den schönen, schlanken Körper. Unter Tags hatte er seriös zu sein. Unter Tags war er langweilig und schüchtern. Abends war er das auch, aber er konnte sich zumindest vorstellen, ein Draufgänger zu sein. Und eines Nachts, sie hatte die Vorhänge nicht zu gezogen, da sah er etwas, was er nicht hätte sehen sollen. Im Fenster gegenüber. Die schöne Frau war nackt, und der Mann, mit dem sie eben noch die Kissen zerwühlt hatte war auch nackt. Sie stritten sich, oder setzten Sie ihren Liebestanz fort? Er war mindestens 55, aber schlank. Sein Anzug war im Schlafzimmer zerstreut. Er zog sich an, sie beobachtete es, gestikulierte, er hielt inne, gestikulierte auch, zog sich weiter an. Und dann ging er. Nein, er konnte nicht mehr gehen, denn die Frau nahm, als er sich zur Türe gewandt hatte, einen Schürhaken und schlug ihm mitten auf den schütter behaarten Hinterkopf. Und als er umgefallen war, die Hand auf die blutende Stelle drückend, da schlug Sie nochmals zu. So lange, bis er sich nicht mehr rührte. Danach rannte sie aus Torstens Blickfeld. Und als sie wieder herauskam, jetzt in einen Bademantel gehüllt, schenkte sie sich einen Cognac ein und blickte zum Fenster heraus. Und weil Torsten unvorsichtig gewesen war, vom Schock erstarrt, entdeckte sie ihn. Torsten ging von der Balkontür weg und setzte sich auf sein Sofa. Er saß da, wie lange wusste er nicht. Was sollte er tun? Er wollte die Polizei nicht rufen, weil, die Polizei würde die Frau mitnehmen, sie würde verurteilt werden. Und er, Torsten, würde sie nicht mehr beobachten können. So dachte er. Da klingelte es. Torsten blieb sitzen, sein Herz klopfte, er wagte nicht, sich zu bewegen. Es klingelte wieder. Er stand auf, blickte durch den Spion. Es war sie, die schöne Frau. Er errötete. Öffnete dann die Türe. Wollte ihr sagen, dass er sie nie verraten würde. Weiler ein Gentleman war. Weil er sie anbetete. Nein, nicht sie, er kannte sie ja nicht. Ihren Körper. „Sie haben mich gesehen?“ Wollte die Frau wissen. Sie hatte nie Notiz von ihm genommen. Sie blickte ihn auch jetzt nicht richtig an. Sie war nur gekommen, weil er sie gesehen hatte. „Ja.“ Sagte Torsten. Seine Stimme klang kühl. „Und haben Sie die Polizei gerufen?“ Wollte die Schöne wissen. „Nein.“ ließ Torsten verlauten. „Warum nicht?“ Sie sah verwirrt aus. Nun vollständig bekleidet. Torsten zuckte mit den Achseln. „Eine Hand wäscht die andere.“ Sagte er kurz. „Und wie soll ich die andere Hand waschen?“ Torsten zögerte. „Ich werde der Polizei nichts verraten, wenn sie mit mir schlafen.“ Sagte er leise. Sie blickte ihn von oben bis unten an. „Na gut.“ Sagte sie dann neutral.

Eine Stunde später war es Wirklichkeit. Hinter ihm lagen die Küsse, die er auf ihren Körper hatte regnen lassen. Die sanften Bewegungen, mit denen seine Finger den schönen Körper entblößt hatten. Die Gerüche, die Weichheit ihrer Haut. Torsten war berauscht. Und als sie ganz nackt gewesen war und seine Zunge und seine Fingerspitzen jeden Millimeter ihres Körpers erkundet hatten, da hatte sie endlich ihn ausgezogen. Sein Anzug war tagsüber wie ein Schutzschild. Jetzt war er ein Hindernis. Sie ließ sich Zeit. Natürlich war sie nicht scharf auf ihn. Aber sie wusste auch, dass eine niveauvolle Dienstleistung für sein Schweigen angemessen war. Und so war es nun Wirklichkeit. Sein Gemächt in ihrem Mund. Und ja, sie beherrschte die Sache außerordentlich. Als er über sie kam und ihre beiden Körper endgültig vereinte, trug er immer noch Schuhe und Socken, Hose und Unterhose schlotterten an seinen Fußknöcheln. Sein Glied in ihr tänzelte bald aufgeregt, bald heldenhaft, bald agonisch.

Am nächsten morgen rief er um acht Uhr in der Kanzlei an. Er sei krank. Fiebrig. Dann lief er an die Balkontür und blickte zum Fenster gegenüber. Die Leiche war nicht mehr da. So legte sich Torsten wieder zu der schönen Frau in seinem Bett und nahm sie, die noch halb schlaftrunken war.

Und er nahm sie immer wieder. Und sie ließ es geschehen. Er dachte manchmal, ob er ihr widerlich war. Sein Stöhnen aus tiefster Seele, wenn er über ihr lag und sich ergossen hatte, seinen Kopf auf die Stirn gestützt, so nah neben dem ihren. Sie musste sein Keuchen wie einen Sturm in ihrem Ohr hören. Natürlich fuhr er weiterhin mit der Straßenbahn zu Arbeit. Aber er beeilte sich, zu der schönen Frau zu kommen. In seine gar nicht leere Wohnung, in sein gar nicht leeres Bett. Denn immer war sie schon da.

Und eines Abends, es waren Monate vergangen, da lag er nicht in seinem Bett. Da lag er auf einem andrologischen Untersuchungsstuhl. Er hatte getrunken, er hatte mit ihr geschlafen, mit ihr, der schönen Frau, der Mörderin. Doch sie war nicht mehr da. Eine Frau in einem weißen Kittel war da, mit Mundschutz, er konnte ihre Züge nicht erkennen. Er wollte sie fragen, was das zu bedeuten hatte, aber er hatte einen Knebel im Mund. Er wollte sich den Knebel aus dem Mund nehem, aber er war gefesselt. Seine Arme, seine Beine. Da verschwand die Frau aus Torstens Blickfeld.

In seiner Armbeuge steckte eine Infusionsnadel und daran hing ein Schlauch. Torstens Penis steckte in einer durchsichtigen Röhre, die an einer zwischen seinen weit gespreizten Beinen positionierten Maschine fixiert war. In der Röhre steckte eine Art Dorn, der in Tostens Harnröhre ragte. Er hatte keine Schmerzen, war aber überwältigt von einer schockartigen, pansichen Ungewissheit. In der Röhre wurde nun Unterdruck erzeugt, so dass Torstens Aal zu wachsen begann, langsam, aber stetig. Und dabei fraß er den Dorn auf, fast wollüstig. Torsten wusste nicht, dass der Dorn mit kleinen Widerhacken besetzt war, so dass sein Glied fixiert wurde. Aber er spürte sehr wohl, dass die Röhre nun zu Vibrieren begann. Schauer jagten seine Eichel und den Penisschaft hinunter bis zu den zuckenden Hoden. Torsten versuchte, zu sehen, wo die weiß gekleidete Frau abgeblieben war, die er gesehen hatte. Doch bald war er von seinem eigenen Trieb übermannt. Er entspannte sich auf dem Untersuchungsstuhl, Riemen zuckte auf dem Dorn. Der hilflose Mann spürte sein Sperma aufsteigen, doch es konnte nicht ausgespuckt werden, war die Samenröhre doch versperrt. Langsam verschwand die Röhre mit dem gefangenen Glied in der Maschine. Seine Lust steigerte sich, er stieß Laute des Erstickens aus, Schweiß rieselte über die Stirn. Doch das Vibrieren hörte nicht auf, wurde stärker, es schmerzte – ungeheuerlich. Doch es hörte nicht auf. Er bekam keine Luft. mehr, doch es hörte nicht auf. Sein ganzer Körper zuckte unkontrolliert. Da hatte es aufgehört. Zuerst rang er nach Luft um wieder Kontrolle über seine Gliedmaßen zu bekommen. Als es ihm gelang, stieg die Erleichterung warm in seinem Bauch auf. Er registrierte, dass die Frau die Maschine zwischen seinen Beinen zur Seite schob. Torstens Glied schmerzte noch. Kein Wunder. Er wollte gerade an sich herab blicken als die Frau ihm die Glasröhre zeigte. Er erstarrte einen Moment, dann erschlafften seine Muskeln, Tränen rannen über seine Wangen. In der Glasröhre, die die Frau in den Händen hielt steckte noch an dem Dorn sein Penis in voller Größe. Aber es war kein Leben mehr in ihm. Er war von der Maschine mit einem Skalpell sauber abgetrennt worden. Es war kein Blut zu sehen. Die Wunde schien ordentlich verschlossen. War das die Wirklichkeit? Dieses klinisch saubere Grauen? Ihm wurde zuerst weiß vor Augen, dann tanzten hunderte Farben vor ihm und dann schwand ihm das Bewusstsein.

Als er wieder erwachte war er zunächst geblendet. Geblendet von einem Spiegel über sich. Er erkannte sich, sah den roten Gummiball, der seinen Mund verschloss, seinen schlanken Körper, die strammen gespreizten Beine. Aber zwischen den Beinen war nichts mehr. Doch – da war etwas. zwischen den Schenkeln hingen zwei rote Schnüre. Er tastete die Schnüre mit seinem Blick ab. Sie waren beträchtlich lang. An jeder Schnur hing am Ende ein violett schimmerndes Taubenei – beide gefangen von einer Zange. Er wusste schlagartig, was das für einer waren. Es waren seine eigenen, mit aller Macht aus dem Körper gezogenen Hoden. Er konnte nur noch leise Schluchzen. Die weiße Frau hatte den Mundschutz abgenommen. Sie war wunderschön; sie war ja auch die schöne Frau, vom Fenster gegenüber, die Mörderin. Sie war also doch da. Er hatte ihr nie gesagt, dass er sie liebte. Er hatte sie missbraucht. Und nun missbrauchte sie ihn. Das war gerecht.

„Weißt Du.“ Sagte sie während sie seine Hoden fast zärtlich in eine Flüssigkeit tauchte. „Es war nicht so, dass es mir mit Dir keinen Spaß gemacht hätte. Du warst echt nicht schlecht als Liebhaber. Eher von der sanften, höflichen Art. Ein Gentleman. Und Du hattest meine Dienste auch bitter nötig, nicht wahr? Am Schluss wusstest Du tatsächlich, was man mit einem so schönen, stattlichen Schwanz wie Deinem alles anfangen kann. Aber Du konntest es nicht gut sein lassen. Es musste ein Ende haben. Jetzt hat es ein Ende. Nicht wahr?“ Sie schnitt die beiden Samenleiter ganz oben ab. Das Geräusch. Das Geräusch von zerschnittenem Fleisch. Er hörte es noch, als er erneut bewusstlos wurde.

Torsten trug einen Anzug, als er wieder erwachte. Sein Schutzschild. Aber der Schmerz in seinem Schritt ließ keine Zweifel zu. Er war kastriert. Torsten rappelte sich auf. Vom Boden. Vom Boden einer leeren Fabrikhalle. Er konnte nicht weinen, nicht schreien, nichts fühlen. Er war stumpf. Dann rannte er. Rannte aus der Halle, über das verlassene Fabrikgelände. Rannte einen Kanal entlang, an Speichern vorbei. Blut floss an seinen Schenkeln herunter. Er rannte weiter. Es musste früh am morgen sein. Er rannte durch einen Park, über einen Platz. Rannte fast eine Frau mit einem Hund um. Sie schrie, was wusste er nicht. Er rannte weiter, rannte auf die Straße. Rannte. Rannte in einen Bus.

Tosten starb noch, bevor der Krankenwagen eingetroffen war. Man konnte ihn nicht wiederbeleben.

Seine Leiche lag in der Rechtsmedizin. Nackt, schutzlos, hilflos. Kastriert. Die Rechtsmedizinerin begutachtete die vernähte Wunde, die ihm beim Rennen wieder aufgebrochen war. Warum war er gerannt? Wo der Penis gewesen war, steckte eine kleine Röhre.

Ein schöner Mann. Dachte sie. Trotz der Wunden. Sein zerfetzter Anzug lag nebenan in einer Plastiktüte. Darin auch seine immer noch bemerkenswert blank geputzten Schuhe. Sie fragte sich, wie er gewesen war. Warum er kastriert worden war. Ging zu einem Schrank und holte ein Glas heraus. Zwei plastinierte Hoden und einen plastinierten, erigierten Penis. Das alles war am morgen für Sie abgegeben worden. Mit einem Zettel. „Der Rest kommt vielleicht noch.“ Stand auf dem Zettel. Sie hatte gedacht, weitere Hoden, weitere Penisse. Aber der Rest war der Mann gewesen. Natürlich. Und er war gekommen. Die Rechtsmedizinerin ließ ihre Hand über die Haut gleiten. Torsten Lauenstein. 37, geschieden, keine Kinder, Rechtsanwalt. Sie beugte sich über sein Gesicht. „Torsten. Erzähl mir was, Torsten. Erzähl mir, wie Du mit Deinem besten Stück umzugehen pflegtest, Torsten. So präzise, dass man dir das stattliche Zepter abgeschnitten hat und die Kronjuwelen gleich dazu? Wir Frauen wissen im Gegensatz zu euch Männern: Nicht auf die Größe kommt es an. Auch die kleinste Waffe kann töten, wenn sie präzise ist.“

Emma lag auf dem Gynäkologenstuhl. Beine gespreizt. Der Arzt war ein älterer, netter Mann. Sie war etwas nervös gewesen, die letzten Tage. Warum nur? Sie tat alles wie in Trance. Und als sie dem Arzt gegenüber saß, dieser sie anlächelte und sagte, „ich habe eine schöne Nachricht für Sie,“ da bekam sie es zunächst auch nur am Rande mit. Schwanger. Ein Kind. Sie hatte doch bei ihren Freiern stets darauf geachtet, zu verhüten. Natürlich. Aber er hatte sie so genommen. Immer wieder. Wie ein Schmerzensmann. Mit den Teilen, die sie ihm abgeschnitten hatte. Sie hatte es nicht ertragen, geliebt zu werden. Er hatte getötet, sie getötet, dachte sie. Die Frau, die sie war. Aber in der Tat hatte er gezeugt. Und war nicht mehr da. Sie hatte ihn gehasst, weil sie abhängig von ihm gewesen war, sicherlich. Aber nun fragte sie sich, ob sie ihn nicht auch geliebt hatte. Als sie zuhause war, schrieb sie die ganze Geschichte auf, von Emma und Torsten. Und sie hinterlegte das Manuskript bei einem Notar. Sollte sie sterben, würde ihrem Kind der Brief übergeben werden, wenn es volljährig war.

Und sie starb bei der Geburt ihres Sohnes. Sie sagte noch, man solle ihn Torsten nennen. Weil Torsten sie getötet habe.

BITTE UM REAKTIONEN - FRANK



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