Am Abgrund - Teil 15 - German
By: Der_Adler

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Es wird Zeit für den Ausflug in die Stadt.


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Jonathan ließ nicht noch viel länger warten, nachdem Cornelius seine Entscheidung getroffen hatte, und rief Samantha zu sich, sodass er seinen beiden übrig gebliebenen Sklaven erklären konnte, was zu tun war. Es landeten lediglich zwei Koffer im Kofferraum des Wagens, wovon nur einer Klamotten enthielt. Der andere war mit einigen Wertsachen gefüllt. Cornelius durfte immerhin sogar seinen Keuschheitsgürtel ablegen und bekam einige "normalen" Sachen zum Anziehen, ebenso wie Samantha. Gut eine Dreiviertelstunde, nachdem Cornelius aufgestanden war, saßen sie alle im Auto. Der Vampir setzte sich eine dunkle Sonnenbrille auf, nickte den beiden zu und fuhr los. Der junge Sklave lehnte sich zurück, um die Fahrt ein wenig zu genießen. Noch immer fragte er sich, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Aber andererseits fühlte er sich bei den beiden schon irgendwie wohl. All zu schlecht ging es ihm nicht. Und das, obwohl er sogar ein Eunuch war. Instinktiv tastete er mit der Hand vorsichtig in seinem Schritt. Er stieß mit den Fingerspitzen auf das unnachgiebige Metall und schloss die Augen. Seine Hoden waren schon länger nicht mehr. Und doch fühlte er noch immer den Drang dazu, sein übrig gebliebenes Sexualleben auszutoben. Er verstand es selbst nicht wirklich. Ihm war sogar der Gedanke gekommen, dass sein Meister ihm heimlich irgendwelche Präparate gab, um so für den nötigen "Druck" zu sorgen, aber das hatte er dann als Unsinn abgetan.

Die Fahrt dauerte recht lange. Einige Male nickte Cornelius kurz weg, nur um dann wieder aufzuwachen. Irgendwann gab er es auf und blickte lieber nach draußen. Die Wegschilder zogen nur so vorbei. Nach einiger Zeit schaute er seinen Meister an, der noch immer die undurchdringliche Sonnenbrille trug.

"Ich habe eine Frage", sagte Cornelius schließlich.

Jonathan antwortete nicht, trotzdem fuhr der Sklave unbeirrt fort.

"Wenn dieser Vampirjäger selbst ein Bannsiegel getragen hat...und er die Macht hatte, niedere Bannsiegel aufzuheben...dann müsste er doch von einem Vampir kontrolliert worden sein", meinte er. "Warum kämpfen Vampire gegen Vampire?"

"Hast du dich nie gefragt", begann Jonathan langsam, "warum Menschen gegen Menschen kämpfen? Weil es einfach so ist. Weil man sich streitet. Weil jeder seine Meinung durchsetzen will. So wie es Kriege gibt, gibt es auch Kriege zwischen uns Vampiren. Nur...sind sie etwas subtiler. Und doch viel blutiger."

"Also gibt es auch...Fraktionen?"

"Es gibt Clans. Insgesamt fünf große. Plus minus ein paar kleinere...und natürlich Einzelgänger, die rein gar keinem Clan angehören. Ich gehöre einem von den Clans etwas...lockerer an. Und ich vermute, dass einer der anderen Clans hinter dem Angriff von gestern steckt...das war kein Einzelgänger. Viel zu exakt geplant. Und sie haben keinen Vampir geschickt, sondern einen Menschen. Das ist sehr typisch für die Cypher."

"Cypher?"

"Der Cypher-Clan ist ein Clan von Taugenichtsen. Sie versuchen vermutlich die anderen Clans zu zerstören, aber nachweisen konnten wir es noch nicht. Sie schicken immer nur Menschen, statt sich selbst zu zeigen."

"Ich...verstehe", fügte Cornelius an. "Das heißt, wir fahren jetzt zu Eurem Clan?"

"Korrekt."

Nun nickte der Sklave stumm. Ein solches Ausmaß hätte er sicherlich nicht erwartet. Anscheinend gab es doch mehr Vampire, als er erwartet hatte.

Während der Fahrt machten sie nur einmal Halt an einer Raststätte, ehe sie schon nach kurzer Zeit weiter fuhren. Es war schon fast abends, bis Jonathan irgendwo abbog und irgendwelchen verzweigten Straßen folgte, bis sie ziemlich im Nichts waren. Nach einigen Minuten kamen sie in Waldgebiet, wo Cornelius eines der Schilder auffiel.

"Meister...", begann er, "...ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist..."

Cornelius folgte dem Punkt, wo Cornelius hin zeigte und begann zu grinsen. Auf mehreren Schildern standen diverse Warnungen. Sie kamen zu einem Zaun, an dem ein weiteres Schild angebracht war.

"WARNUNG! ENDLAGER FÜR RADIOAKTIVE ABFÄLLE! LEBENSGEFAHR!"

Unter diesem Schild war zusätzlich das typische Warnzeichen für Radioaktivität abgebildet. Cornelius schluckte schwer.

"Keine Panik", kicherte Samantha hinter ihm. "Hier ist nicht wirklich etwas."

"Was?"

Während Jonathan aus dem Auto stieg, um das Tor zu öffnen, blickte sich der junge Sklave zu Samantha um.

"Was meinst du damit?"

"Was ist wohl ein besseres Versteck als ein abgezäunter Bereich inmitten des Nichts, der mit Warnschildern ausgestattet ist? Was glaubst du, wer freiwillig in diesen Bereich fährt?"

"Niemand..."

"Eben drum. Hier ist keine radioaktive Strahlung. Keine Panik."

Jonathan fuhr den Wagen hinein, ehe er wieder ausstieg und das Tor verriegelte. Erst dann fuhren sie weiter. Trotz dessen, was Sam ihm gesagt hatte, empfand Cornelius ein flaues Gefühl im Magen. Er wusste nicht, ob es der Gedanke war, dass hier doch Radioaktivität sein könnte oder die Tatsache, dass sie gleich in eine Stadt voll mit blutrünstigen Vampiren fuhren. Er begann unruhig hin und her zu rutschen, bis Jonathan ihn mit ein paar Worten zurecht wies.

Einige weitere Minuten fuhren sie über eine Straße, ehe Jonathan sie verließ und in eine Höhle fuhr. Die Scheinwerfer erhellten den dunklen Raum, ließen jedoch einige Zeit lang trotzdem kaum etwas erkennen, bis sie dann tatsächlich auf einem unterirdischen Platz landeten. Dieser war von künstlichem Licht geflutet, sodass Cornelius jetzt auch andere Autos sehen konnte. Es war ein Parkplatz.

Der Vampir parkte den Wagen ein und schaltete den Motor ein. Erst dann nahm er seine Sonnenbrille ab.

"Zieh' dich aus", sagte Sam zu dem anderen Sklaven.

"W-Was?"

Dieser schaute sie verwirrt an, während sie sich begann im Auto auszuziehen.

"Tu was sie sagt", meinte Jonathan grinsend. "Das gehört sich hier so."

"Das alle nackt rumlaufen?", fragte er, bevor er ebenfalls begann sich langsam zu entkleiden.

"Nein. Es gehört sich so, dass die Sklaven nackt herumlaufen. Damit man sie einfacher erkennen kann. Als Grundsatzregel gilt: Einfach den Mund halten. Das ist am einfachsten. Okay? Wenn ein Vampir mit dir spricht, darfst du antworten. Ansonsten einfach Mund zu. Gucken darfst du...aber versuch nicht gerade einem anderen Vampir hinterher zu starren oder ihn gar mit irgendwelchen Gesten zu beleidigen. Das wäre...unklug."

"Äh...okay."

Als sie aus dem Wagen stiegen, kam sich Cornelius ziemlich albern vor. Splitterfasernackt stand er in einer unterirdischen Höhle. Samantha, ebenfalls völlig nackt, stellte sich neben ihm hin. Jonathan ging zu ihnen und betrachtete sie kurz – Cornelius tatsächlich etwas länger.

"Um das noch einmal klar zu machen, Cornelius", begann der Vampir. "Sobald wir in der Stadt sind, bist du erst einmal still."

"Okay. Geht klar", sagte der Sklave unterwürfig.

"Gut. Wenn du das nicht schaffst, bekommst du für die ganze nächste Woche einen Knebel", meinte er und warf Samantha einen viel sagenden Blick zu, die daraufhin kurz grinste. "Kapiert?"

"Moment. Bekomme ich den Knebel, wenn ich es nicht schaffe als Bestrafung oder bekomme ich ihn wenn ich es schaffe als Belohnung?", fragte Cornelius grinsend.

Sam neben ihm prustete los und selbst Jonathan brauchte einen Moment, ehe er lachte.

"Wir haben uns verstanden", meinte er dann nur noch lächelnd und ging voran.

Von dem unterirdischen Parkdeck aus ging es eine Treppe nach oben, die zunächst nur ins Nichts führte. Sie standen vor massivem Felsen. Zumindest für einige Sekunden, denn dann erschien ein weiterer Vampir, der direkt aus der Wand kam. Cornelius stieß beinahe einen Schrei vor Schreck aus, konnte sich gerade noch beherrschen. Tatsächlich handelte es sich sogar um einen Jungen von vielleicht neun Jahren. Von seinem Blick her war er aber wesentlich älter.

"Ah, Jonathan. Was für eine seltene Überraschung. Dass du dich mal wieder hier blicken lässt", meinte der Junge glucksend.

"Ich muss in die Stadt", sagte der Vampir trocken. "Es ist wichtig."

"Das sind alle."

"Sehr witzig. Es geht um den Cypher-Clan."

"Oh."

Der Blick des jungen Vampirs veränderte sich und er nickte.

"Gut. Deine Sklaven benehmen sich hoffentlich?"

"Wehe wenn nicht", lachte Jonathan.

Der "Torwächter" machte eine Bewegung mit der Hand, woraufhin sich die massive Felswand zur Seite schob und den Blick auf eine weitere Treppe freigab. Die drei gingen selbige nach oben und landeten dann tatsächlich in einer unterirdischen Stadt. Selbst wenn Cornelius etwas hätte sagen dürfen, so hätte er nicht gewusst, was er hätte herausbringen können. Das war eine richtige, belebte Kleinstadt, in der hunderte Vampire lebten. Wenn nicht sogar weitaus mehr. Jonathan führte sie an, wobei sie sogar an richtigen Märkten vorbei kamen. Anscheinend gab es Vampire, die doch noch recht gerne "normales" Essen verzehrten. Cornelius fiel auf, dass hier nicht mit Geld, sondern vielmehr mit zeitlosem Gold gehandelt wurde. Auch Sklaven waren nicht gerade wenig zugegen. Sie waren natürlich leicht daran zu erkennen, dass sie nackt waren. Dabei waren die Sklaven zwar größtenteils in seinem Alter, es gab aber auch jüngere und ältere. Sowohl Frauen als auch Männer. Nicht gerade wenige Jungen waren dabei kastriert worden. Dabei sah der junge Sklave auch recht viele Jungen, die zwischen ihren Beinen völlig glatt waren und nur noch ein sauber verheiltes Loch hatten. Einige der Sklaven trugen für ihre Meister Sachen, andere gingen stumm nebenher, einige mussten auf allen Vieren wie Tiere hinterher gehen. Und dann gab es sogar einige, die mit einem Lächeln dabei waren und sogar mitreden durften. Aber das waren dann doch eher Ausnahmen.

Die Vampire waren, wie er das vorhin schon bemerkt hatte, in allen Altersklassen vertreten. Einige wenige sahen so jung aus wie der Junge von vorhin, andere sahen sogar aus wie alte Greise. Dabei waren es nicht überwiegend Männer oder Frauen, sondern eigentlich recht ausgeglichen von beiden Geschlechtern. Und es gab sogar ganze Häuser und Hütten hier. Dabei sorgten künstliche Lampen an der Decke und weitere Laternen für genügend Licht. Natürliches Sonnenlicht gab es naturgemäß eher weniger. Vielleicht war Jonathan insofern auch eine Ausnahme, dass er sich tagsüber aus seinem Haus traute, statt dass er des Tages ruhte.

Sie blieben vor einem auffällig großem Gebäude stehen.

"Das hier ist sozusagen das Rathaus", erklärte Jonathan knapp. "Ich muss kurz die Sache mit dem Angriff klären. Ihr wartet solange draußen...Sam, du weißt ja, wie es geht."

Ohne sich noch einmal umzudrehen, verließ der Vampir seine beiden Sklaven, indem er das Gebäude betrat. Samantha, die bereits Erfahrung hatte, nahm Cornelius am Arm und zog ihn sanft zur Wand des Gebäudes. Dort befanden sich angekettete Geräte, die ein wenig an das Zaumzeug von Pferden erinnerte. Sam drückte ihn sanft auf alle Viere herunter und legte ihm eines der Geräte an. Es zeigte sich, dass es nicht nur an das Zaumzeug erinnerte, sondern wirklich eines war. Von Sam bekam er eine Trense, eine Art Beißstange aus Edelmetall, in den Mund geschoben, ehe sie das Zaumzeug festzurrte. Ein kleines Stöhnen entkam seinen Lippen dabei, dann merkte er, dass er nicht einmal mehr viel sehen konnte. An den Seiten waren Scheuklappen angebracht, sodass sein Gesichtsfeld stark eingeschränkt wurde. Wofür diese Dinger überhaupt waren, war wohl strittig. Vermutlich zum einen, damit die Sklaven nicht sinnlos herum standen und irgendwelche Vampire anstarrten und zum anderen wohl einfach nur zur Demütigung. Er hörte, wie Samantha sich das Zaumzeug ebenfalls anlegte und sich dann auch auf alle Viere begab. Cornelius senkte den Kopf. Wie viele Sklaven diese Stange wohl bereits im Mund gehabt hatten? Er wollte es gar nicht wissen. Er seufzte innerlich, richtete seinen Blick auf die monotone Mauer und wartete darauf, dass ihr Meister irgendwann wieder erscheinen würde.


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